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Den Anteilen von Oracle ist eine starke Erholung und ein erstes Kaufsignal gelungen. Hat die Rallye jetzt noch Luft nach oben und welche Marken sind zu beachten?
Oracle meldet sich nach crashartigem Abverkauf eindrucksvoll zurück
Allein in den vergangenen 5 Tagen konnte sich die Aktie von SAP-Rivale Oracle um mehr als ein Viertel erholen, nachdem das Papier zuvor von wochen- und monatelagen Kursverlusten betroffen war. Neben einer starken Gesamtmarkterholung und einer Gegenbewegung bei Software-Titeln waren hierfür auch positive Unternehmensnachrichten verantwortlich.
So ist es Oracle beispielsweise gelungen, seine bestehende Partnerschaft mit Amazon Web Services (AWS) auszubauen. Die beiden Unternehmen arbeiten daran, ihren Kundinnen und Kunden zu ermöglichen, Daten in beiden Clouds verarbeiten zu können, was für eine höhere Auslastung sorgen dürfte.

Durch die steile Rallye sind der Aktie außerdem erste Kaufsignale gelungen. Sollten Anlegerinnen und Anleger diese jetzt nutzen, ihre Positionen auszubauen beziehungsweise neu einzusteigen? Dazu der Blick in den Chart.

Nach grenzenloser Begeisterung folgte rasch Ernüchterung
Ausgehend vom Tief auf dem Höhepunkt des Zoll-Crashs konnten sich die Anteilsscheine im Frühjahr und Sommer vergangenen Jahres gut erholen. Nach den Anfang September vorgestellten Quartalszahlen war es sogar zu einer Kaufpanik gekommen, nachdem das Unternehmen für die Zukunft gigantische Cloud-Erlöse in Aussicht gestellt hatte.
Doch die Allzeithochs knapp unter 340 US-Dollar erwiesen sich als Blow-Off-Top. In den darauffolgenden Monaten wuchsen die Zweifel vor allem an der finanziellen Nachhaltigkeit des schuldenfinanzierten Ausbaus der KI-Kapazitäten. Die Furcht vor einer Disruption des Geschäftsmodells durch KI-Agenten beschleunigte dann den Abverkauf, sodass es im Januar zu einem Death Cross der gleitenden Durchschnitte und einem Verkaufssignal gekommen ist. Erst im Bereich von 135 bis 140 US-Dollar ist es zu nachhaltigem Kaufinteresse und damit zu einer Bodenbildung gekommen.
Neue Kaufsignale nach erfolgreicher Bodenbildung
Ein erster Ausbruchsversuch über die 50-Tage-Linie war zwar gescheitert, doch der Boden hielt neuem Verkaufsinteresse stand. Dadurch konnte vor wenigen Tagen die Abwärtstrendlinie überwunden werden. Zum Wochenauftakt gelang schließlich die Rückeroberung, sodass es zu einem ersten prozyklischen Kaufsignal gekommen ist. Die Aktie startete daraufhin einen Durchmarsch an den Horizontalwiderstand bei 180 US-Dollar.
Kann dieser vor dem Wochenende behauptet und ausgebaut werden, ist der Weg in Richtung 200 und 220 US-Dollar frei, wo mit der 200-Tage-Linie die nächste Hürde vor einer nachhaltigen Trendwende wartet. Unterstützung für einen Anstieg in den Preisbereich erhält die Oracle-Aktie hierfür vom Trendstärkeindikator MACD, der vor Kurzem sein Vorzeichen gewechselt hat und damit wieder einen Aufwärtstrend der Aktie anzeigt.
Die Kraftanstrengung der Käuferinnen und Käufer ist allerdings groß gewesen, wie der Blick auf den Relative-Stärke-Index (RSI) zeigt. Dieser ist weit in den überverkauften Bereich vorgedrungen. Das bedeutet wachsenden Konsolidierungsbedarf und deutet daraufhin, dass die Aktie vor weiteren Kursgewinnen zurücksetzten und beispielsweise ihren Ausbruch über die 50-Tage-Linie testen könnte. Vor einer Abkühlung des RSI ist ein Einstieg in die Aktie daher nicht mehr anzuraten. Wer schon dabei ist, kann es mit Blick auf die sich abzeichnende Trendbeschleunigung im MACD aber erstmal bleiben.
Fazit: Trotz technischen Rückenwinds bleiben Zweifel
Mit Blick auf die Bewertung ist Oracle auf dem gegenwärtigen Kursniveau bereits fortgeschritten bewertet. Das bedeutet trotz des technischen Rückenwindes potenziellen Gegenwind von fundamentaler Seite. Das KGVe 2026 liegt mit 22,8 bereits um rund 4 Prozent über dem 5-Jahres-Mittel von 21,9. Das Kurs-Gewinnwachstumsverhältnis ist mit 1,08 attraktiv, aber branchenintern nicht außergewöhnlich günstig, während sich bei vielen anderen Kennziffern bereits erhebliche Aufschläge sowohl gegenüber den Mitbewerbern als auch der historischen Norm abzeichnen.
Dazu kommen die finanziellen Belastungen durch den gigantischen Schuldenberg von knapp 125 Milliarden US-Dollar an langfristigen Verbindlichkeiten, für welche das Unternehmen schon jetzt pro Quartal etwa 1 Milliarden US-Dollar Zinskosten zu tragen hat. Attraktiver als ein Investment in Oracle könnte daher der Kauf der SAP-Aktie sein, deren Kursentwicklung ohnehin mit der von Oracle korreliert ist. Die Walldorfer bieten aber eine attraktivere Bewertung bei deutlich geringerer Verschuldung. Außerdem steht auch diese Aktie inzwischen vor dem Sprung über die Signallinie und damit einem Kaufsignal.
Gastautor: Max Gross

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