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Die Anteile des Halbleiterherstellers Intel erleben aktuell einen Bullensturm. Neue Mehrjahreshochs sind in Reichweite, fallen bald auch die 100 US-Dollar?
AMD, Broadcom, Nvidia: Plötzlich hängt Intel ab!
Eigentlich gehört das Halbleiter-Urgestein Intel zu den Verlierern des aktuellen KI-Booms. Während es dem Unternehmen an zugkräftigen Produkten fehlt, am Hype zu partizipieren, bildet der klassische PC-Markt noch immer das Kerngeschäft. Hier aber ist die Wachstumsdynamik nach dem Ende der Corona-Pandemie zum Erliegen gekommen.
Gleichzeitig hat sich der Konzern mit dem geplanten Umbau zum Auftragsfertiger finanziell übernommen. Die Bilanz weist inzwischen langfristige Verbindlichkeiten von 47,1 Milliarden US-Dollar aus. Zahlreiche Projekte, wie die Mega-Fabrik bei Magdeburg, mussten für immer auf Eis gelegt werden.

Spekulativer Hype treibt die Aktie auf Mehrjahreshochs
Nichtsdestotrotz ist die Aktie eines der gegenwärtig heißesten Papier der Halbleiterbranche. Seit dem Jahreswechsel hat sich Intel bereits um rund 86 Prozent verteuert, gegenüber dem Stand vor einem Jahr steht sogar ein Plus von 262 Prozent zu Buche. Damit lässt die Aktie sogar Highflyer wie AMD, Broadcom und Nvidia hinter sich.
Anlegerinnen und Anleger wetten aggressiv darauf, dass es wie zuvor bei Speicherchips (Micron, Samsung, SK Hynix) nun zu einer CPU-Krise mit stark steigenden Preisen kommt. Außerdem ist Intel am Mega-Projekt "Terafab" von Tesla-CEO Elon Musk beteiligt, der die größte Halbleiterfabrik der Welt errichten will. Dazu kommen die USA und Nvidia als vor Kurzem noch unverhoffte Ankerinvestoren.
Kann sich der vor allem in den vergangenen Tagen starke Anstieg der Aktie in diesem Umfeld fortsetzen oder wird Intel schon bald von der Realität eingeholt?

Nach langer Bodenbildung plötzlich Rallye
Nach der spürbaren Eintrübung der Geschäftszahlen nach dem Ende der Corona-Pandemie befand sich die Aktie bis in die zweite Hälfte des vergangenen Jahres in einem mehrjährigen Abwärtstrend mit hohen Verlusten. Intel hatte zeitweise mehr als 70 Prozent seines Wertes eingebüßt. Das spiegelte das Abrutschen des Konzerns in die roten Zahlen wider.
Zwar laufen die Geschäfte noch immer schlecht mit sinkenden Erlösen und einer nach wie vor hauchdünnen Profitabilität, doch der Aktie ist ausgehend von einer Bodenbildung im Bereich von 18,25 bis 20 US-Dollar ein starker Erholungstrend gelungen. Hierfür sorgten im Spätsommer neben bullishen Divergenzen im Trendstärkeindikator MACD vor allem der Anstieg über die Durchschnittslinien sowie deren Golden Cross.
Aktie überkauft, Gewinnmitnahmen drohen
Nach dem Jahreswechsel war es nach einer steilen ersten Rallyephase zu einer Konsolidierung gekommen. Diese brachte den neuen Aufwärtstrend jedoch nicht ernsthaft in Gefahr, sodass es mit einer Bullenflagge zu einem Trendfortsetzungssignal gekommen ist. Es folgte eine zweite Rallye-Phase, die am Freitag neue Mehrjahreshochs und damit ein technisches Kaufsignal erzielte, wenngleich die Aktie 70 US-Dollar zunächst nicht behaupten konnte und diese als Widerstand bestätigt hat.
Das technische Kaufsignal könnte jedoch verpuffen, denn der jüngste Anstieg erforderte mit Blick auf den Relative-Stärke-Index (RSI) einen hohen Tribut. Dieser liegt tief im überkauften Bereich. Auch der MACD signalisiert einerseits einen dynamischen Trend, andererseits aber auch Konsolidierungsbedarf. Das deutet darauf hin, dass es jetzt jederzeit zu einer erneuten Korrektur kommen könnte, die entweder wie die letzte korrektiv ausfällt, oder zu einem nachhaltigen Abwärtstrend führt.
Während die insgesamt stark verbesserte technische Ausgangslage einen korrektiven Trend nahelegt, der nach einem Ausbruch in einen mittel- und langfristigen Anstieg in Richtung 75 US-Dollar münden könnte, wo die Rekordhochs aus der Zeit der Dotcom-Blase warten, spricht die Unternehmensbewertung eher für einen erneuten Abwärtstrend.
Bewertung und Geschäftsentwicklung passen nicht zusammen
Zwar schürt Intel mit seinem neuen Fertigungsprozess 18A unter Investoren große Hoffnungen, doch fundamental ist das Geschäft noch immer schwach. Im vergangenen Quartal hatte Intel einen Umsatzrückgang von 4,1 Prozent ausweisen müssen, und wurde hierfür mit einem Minus von 17 Prozent abgestraft.
Genau das könnte sich jetzt wiederholen, wenn das Unternehmen am kommenden Donnerstag (nachbörslich) seine Zahlen vorlegt, denn gegenüber dem Vorjahresquartal wird mit einem weiteren Rückgang der Erlöse und Gewinne gerechnet. Das führt die Kursgewinne im Vorjahresvergleich ad absurdum.
Eine weitere Folge des Kursanstieges ohne fundamentale Unterfütterung: Das KGVe 2026 beträgt inzwischen 129, womit Intel längst doppelt und dreifach so teuer ist, wie seine Mitbewerber. Auch bei anderen Kennziffern schneidet Intel schlecht ab. Das deutet auf eine strukturelle Überbewertung und hohes Abwärtspotenzial hin.
Fazit: Eher Halbierung als 100 US-Dollar
Der Intel-Aktie ist in den vergangenen Wochen und Monaten eine beeindruckende Rallye fast aus dem Nichts gelungen. Dadurch ist der Chart aber stark überkauft, während die Unternehmensbewertung der Geschäftsentwicklung womöglich um Jahre vorausgeeilt ist. Diese Kombination deutet darauf hin, dass das Papier nun vor einer Korrektur steht - umso mehr, als dass die am Donnerstag erwarteten Quartalszahlen den Hype schnell entzaubern könnten, da am Markt erneut rückläufige Geschäftszahlen erwartetet werden.
Anlegerinnen und Anleger, welche das Glück und Timing auf ihrer Seite hatten, am Kursanstieg teilzuhaben, sind jetzt gut beraten, Gewinne zu realisieren und Teilverkäufe zu erwägen. Für einen Neueinstieg ist die Aktie nicht mehr zu empfehlen. Diese dürfte ohne operative Wende einer Halbierung deutlich näher sein als dreistelligen Niveaus.
Gastautor: Max Gross

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