
© Foto: FN (Symbolbild)
Innerhalb weniger Handelstage hat ITM Power den Wasserstoffsektor aufgeweckt. Der britische Elektrolysespezialist schoss innerhalb kurzer Zeit raketenartig nach oben, ausgehend von Kursen knapp um die 80 Cent kletterte die Aktie auf über 1,60 Euro. Was steckt dahinter? Ein mächtiger Mix aus staatlichen Millioneninvestitionen, einer spektakulären Kooperation mit Rüstungsriese Rheinmetall und dem wachsenden Hunger der KI-Industrie nach sauberer Energie. Dazu kommen geopolitische Spannungen, die fossile Brennstoffe teurer machen und die Energiewende beschleunigen. Klingt wie die perfekte Story. Und trotzdem sollten Anleger jetzt einen kühlen Kopf bewahren, denn die Aktie ist heiß gelaufen. Vielleicht zu heiß. Ein Rücksetzer zeichnet sich ab. Wer clever ist, wartet auf ihn und kauft dann gestaffelt ein. Warum? Weil die Reise für ITM Power möglicherweise noch nicht vorbei ist.
Starke Nachrichten, starkes Fundament
Den Ausgangspunkt der Rally bildete ein doppelter Paukenschlag. Zum einen sicherte sich ITM Power ein massives staatliches Investitionspaket. Great British Energy steigt mit 40 Millionen Pfund direkt ein, weitere 46,5 Millionen Pfund könnten als Regierungsförderung folgen. Das Geld fließt in eine automatisierte Produktionslinie für den neuen Chronos-Elektrolyseur in Sheffield. Dieser Elektrolyseur braucht gegenüber dem Vorgänger Trident die Hälfte an Bauteilen und liefert die doppelte Leistungsdichte. Bis 2028 soll eine Kapazität von einem Gigawatt erreicht werden. Die Umsatzprognose für das laufende Geschäftsjahr 2026 wurde auf 40 bis 43 Millionen Pfund angehoben, das erste Halbjahr lief mit 18 Millionen Pfund Rekordumsatz bereits besser als je zuvor. Berenberg erhöhte sein Kursziel und bekräftigte die Kaufempfehlung. Zum anderen sorgte die Partnerschaft mit Rheinmetall für Aufsehen. ITM Power liefert seine industriellen PEM-Elektrolyseure für das sogenannte Giga-PtX-Projekt. Ziel ist ein europaweites Netzwerk dezentraler Anlagen, die synthetische Kraftstoffe für NATO-Streitkräfte produzieren sollen. Jede Anlage soll bis zu 50 Megawatt Elektrolysekapazität haben und jährlich bis zu 7.000 Tonnen E-Fuels herstellen können. Für ITM öffnet sich damit ein völlig neuer, wachstumsstarker Markt.

Charttechnik
So überzeugend die Fundamentaldaten auch sind, die Charttechnik sendet aktuell klare Warnsignale. Der RSI liegt aktuell bei rund 93 und damit im extremen Überkauft-Bereich. Normalerweise gilt ein Wert über 70 bereits als Alarmsignal. Bei 93 ist der Markt regelrecht überhitzt. Ein Rücksetzer ist daher nicht nur möglich, er ist recht wahrscheinlich. Realistisch erscheint eine Konsolidierung in den Bereich zwischen 1,00 und 1,20 Euro. Dort hätte die Aktie technisch wieder Luft nach oben, und die Bewertung wäre deutlich fairer als jetzt. Anleger, die die Rally verpasst haben, bekämen so eine zweite Chance. Überlegenswert wäe ein gestaffelter Einstieg in diesem Bereich, also nicht alles auf einmal, sondern in mehreren Tranchen. Danach könnte eine dritte Aufwärtswelle folgen, die durchaus bis in die Nähe von 2,50 Euro führen könnte. Das wäre eine weitere Verdopplung vom aktuellen Niveau aus.
Was tun?
Die letzten Unternehmenszahlen zeigen Rekorderlöse, aber auch noch hohe Verluste. Das Vorsteuerminus weitete sich zuletzt auf 45,4 Millionen Pfund aus. Das Unternehmen wächst, verbrennt aber gleichzeitig noch Kapital. Die fundamentale Entwicklung stimmt jedoch: volle Auftragsbücher, staatliche Rückendeckung, ein zukunftsweisendes Produkt und jetzt auch ein Türöffner in den Rüstungssektor. Charttechnisch ist kurzfristig Vorsicht geboten, der Kurs ist zu schnell zu weit gelaufen. Mittel- bis langfristig bleibt die Story intakt. Wer noch nicht investiert ist, wartet eventuell auf den Rücksetzer in den Bereich 1,00 bis 1,20 Euro und kauft dort schrittweise ein. Das Kursziel bei einer 3. Welle von 2,50 Euro ist zwar ambitioniert, aber bei positiver Auftragsentwicklung und erfolgreicher Chronos-Skalierung durchaus möglich.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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