
© Foto: Arda Can Yildiz auf Unsplash (Symbolbild)
Die Deutsche Bank erlebt gerade Tage, die es in sich haben. Heute am 28. April hält das Frankfurter Geldhaus seine Hauptversammlung ab, erstmals seit Jahren wieder als Präsenzveranstaltung. Morgen, einen Tag später, am 29. April, folgt der Dividendenabschlag von voraussichtlich rund einem Euro je Aktie. Gleichzeitig öffnet der Vorstand die Bücher für das erste Quartal 2026. Als ob das nicht genug wäre, trifft an demselben Tag auch noch die US-Notenbank ihre Zinsentscheidung. Im Chartbild hat sich zuletzt ein gefürchtetes Signal gezeigt: ein sogenanntes Death-Cross. Der Kurs steckt könnte damit noch tiefer in die Bredouille geraten. Und doch, es gibt Gründe, genauer hinzuschauen. Was steckt wirklich hinter den Zahlen? Und was sollten Anleger jetzt tun?
Fundamentale Lage: Starke Ziele, schwieriges Umfeld
Die Deutsche Bank hat sich hohe Ziele gesetzt. Für 2026 peilt das Management Gesamterträge von rund 33 Milliarden Euro an. Das klingt ambitioniert, ist aber kein Wunschdenken, im vergangenen Jahr fuhr die Bank einen Rekordgewinn ein. Die Erwartungen der Analysten für das erste Quartal liegen daher recht hoch bei Erlösen zwischen 8,3 und 8,5 Milliarden Euro, der Nettogewinn soll bei etwa 1,9 Milliarden Euro liegen. Das Investmentbanking muss dabei liefern. Die Sparte hatte im Vorjahreszeitraum 3,4 Milliarden Euro beigetragen, eine Messlatte, die unter aktuell schwierigen Marktbedingungen nicht einfach zu überspringen ist. Hinzu kommt die Selbstanzeige wegen möglicher Sanktionsverstöße. Dabei geht es um Privatkundenkonten von Inhabern mit russischem oder belarussischem Pass, deren Depotwerte die gesetzliche Obergrenze von 100.000 Euro überschritten hatten, oft ganz ohne aktives Zutun der Kunden, einfach weil Wertpapiere an Wert gewannen. Die Bank hat den Vorgang proaktiv den Behörden gemeldet. Das wird regulatorisch in der Regel positiv gewertet. Eine interne Task Force ist eingerichtet, die direkt an den zuständigen Vorstand berichtet. Auf der Habenseite stehen eine solide Kernkapitalquote von 13,7 Prozent sowie die geplante Dividende von einem Euro je Aktie, fast 50 Prozent mehr als im Vorjahr. Dazu läuft ein milliardenschweres Aktienrückkaufprogramm.

Charttechnik
Das Bild an der Börse ist derzeit aber nicht gerade ermutigend. Seit Jahresbeginn hat die Aktie knapp 20 Prozent verloren und notiert aktuell bei etwa 27 Euro. Das Papier ist unter die 50-Tage-Linie gerutscht, liegt deutlich unter der 200-Tage-Linie, und hat zuletzt ein sogenanntes Death-Cross ausgebildet. Das ist der Moment, wenn die kurzfristige gleitende Durchschnittslinie (50er SMA) die langfristige (200er SMA) nach unten kreuzt. Technisch gilt das als klares Warnsignal, das häufig auf anhaltenden Abwärtsdruck hindeutet. Zusätzlich liegt der RSI bei 43 und damit in der unteren Hälfte des Kanals. Die nächste relevante Unterstützung liegt beim Sechs-Monats-Tief bei ungefähr 24,50 Euro, das wäre ein weiterer Rückgang von rund neun Prozent. Positiv aus Sicht der Bullen: Der UBS-Analyst hält trotz gesenktem Kursziel von 34 Euro an seiner Kaufempfehlung fest. Das zeigt, dass die fundamentale Geschichte der Bank noch nicht abgeschrieben ist, auch wenn der Chart aktuell wenig Grund zur Freude liefert.
Was tun?
Auf der einen Seite stehen für die Deutsche Bank solide Kapitalquoten, eine erhöhte Dividende, ein laufendes Rückkaufprogramm und ein Management, das an seinen Ertragszielen festhält. Auf der anderen Seite steht ein angeschlagenes Chartbild mit Death-Cross, ein Kurs unter wichtigen Durchschnittslinien und eine unruhige Gemengelage aus Sanktionsthema, Fed-Entscheid und Quartalszahlen am selben Tag. Kurzfristig orientierte Anleger sollten die Zahlen am 29. April abwarten, enttäuscht das Investmentbanking, dürfte der Kurs weiter unter Druck geraten. Langfristig orientierte Investoren könnten die aktuelle Schwäche vielleicht sogar als Einstiegsgelegenheit sehen, sollten aber wissen: Bis zur technischen Erholung braucht es Geduld. Die Dividendenrendite von fast 3,7 Prozent bei einem Kurs von 27 Euro ist zwar kein Renditewunder, aber für eine Bank auf Sanierungskurs durchaus respektabel.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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