
© Foto: KI-generiertes Symbolbild (ChatGPT).
Im Unterschied zum Gesamtmarkt hat sich die Aktie von Reiseveranstalter TUI in den vergangenen Wochen kaum erholt. Jetzt drohen neue Jahrestiefs.
TUI: Zum Jahresanfang noch hui, jetzt plötzlich pfui
Von der zwischenzeitlich bei TUI, Europas größtem Reiseveranstalter, aufgekommenen Zuversicht und Aufbruchsstimmung ist inzwischen nichts mehr übrig. Nach einem starken Jahresauftakt mit neuen Mehrjahreshochs ist die magere Bilanz inzwischen ein Minus von 28,5 Prozent.
Von der in den vergangenen Wochen starken Gesamtmarkterholung hat TUI kaum profitiert - die noch immer hohen und in den zurückliegenden Tagen sogar gestiegenen Energiepreise sind ein Klotz am Bein der Aktie, da etwa im Geschäft mit Kreuzfahrten Treibstoff einer der größten Ausgabenposten ist. TUI steht also unter Margendruck.
Margen und Buchungen stehen unter Druck
Zusätzlich belasteten explodierende Inflationserwartungen das Sentiment gegenüber der Tourismus-Aktie. Laut am Dienstagmorgen veröffentlichten Daten sind die einjährigen Inflationserwartungen der europäischen Verbraucherinnen und Verbraucher auf 4 Prozent gestiegen - Expertinnen und Experten hatten nur mit 2,8 Prozent gerechnet.
Die Furcht vor steigenden Preisen dürfte sich schon bald auch in den Buchungszahlen zeigen, wenn Konsumenten ihre Ausgaben vor nicht-essenzielle Güter zurückfahren.

Dieser fundamentale Gegenwind hat die TUI-Aktie in eine äußerst gefährliche Ausgangslage manövriert. Wenn sich nicht umgehend Käuferinnen und Käufer zeigen, fällt die letzte Bastion der Bullen und das Papier dürfte Kurs auf neue Jahrestiefs nehmen.

Zahlreiche Verkaufssignale belasten die TUI-Aktie
Gegenüber ihrem Allzeittief bei 4,366 Euro im Oktober 2023 befindet sich die TUI-Aktie zwar in einem mehrjährigen Erholungstrend. Dieser hat in den vergangenen Wochen und Monaten aber spürbar an Dynamik eingebüßt. Nach einem Dreifach-Top im Bereich von 9,50 Euro und bearishen Divergenzen in den technischen Indikatoren startete die TUI-Aktie schon vor dem Beginn des Iran-Krieges einen Abwärtstrend. Dieser hat den Abverkauf verstärkt - und mit einem Gap-Down unter die 200-Tage-Linie für ein starkes Verkaufssignal gesorgt.
Diesem folgten Verluste bis 6,50 Euro, wo zunächst eine Bodenbildung gelang. Die jüngste Erholung wurde jedoch genau am Kreuzwiderstand bei 7,50 Euro abverkauft, damit ist dieser Preisbereich als Hürde bestätigt. Jetzt sind um 6,50 Euro herum erneut Käuferinnen und Käufer gefragt. Sollte diese Unterstützung nämlich nicht verteidigt werden, dürfte TUI auf neue 52-Wochen-Tiefs rutschen. Das wäre gemeinsam mit dem Death Cross der gleitenden Durchschnitte ein weiteres Verkaufssignal.
Nach unten ist noch Platz, weitere Verluste zu befürchten
Die Lage ist aus charttechnischer Perspektive ernst, dementsprechend sollten Anlegerinnen und Anleger die Abwärtsrisiken jetzt nicht unterschätzen.
Neben den bereits vorgestellten Verkaufssignalen (Gap-Down unter die wichtige 200-Tage-Linie und Death Cross) liegt auch im Trendstärkeindikator MACD ein Signal zum Verkauf der Aktie vor. Der ist nicht nur unter die Nulllinie, sondern auch seine Signallinie gefallen. Das bedeutet einen an Fahrt gewinnenden Abwärtstrend.
Gleichzeitig ist der Relative-Stärke-Index (RSI) mit 37,8 Punkten schwach, ohne aber bereits im fortgeschrittenen Bereich zu sein. Bis die Aktie überkauft ist, verfügt sie also auch kurzfristig über einiges an Abwärtspotenzial. Eine Gegenbewegung ist damit noch nicht zwingend nötig, was insbesondere Shortseller dazu ermutigen könnte, weiter gegen die Aktie zu wetten.
Langsam gerät auch der übergeordnete Abwärtstrend in Gefahr
Sollte ein neues Tief angelaufen werden, würde das die mittelfristige Trendwende verstetigen und den mehrjährigen Aufwärtstrend gefährden. Dessen Trendlinie liegt bei etwa 6,10 Euro. Weitere Horizontalunterstützungen sind dagegen erst ab ca. 5,80 Euro wieder zu finden.
Zur Oberseite könnten sich die Käuferinnen und Käufer mit einem Anstieg über die 50-Tage-Linie und einem Angriff auf den Widerstandsbereich um 7,50 Euro in Sicherheit bringen. Nachhaltig bewältigt dürfte die Kurskrise aber erst jenseits der 200-Tage-Linie sein, wo auch die noch offene Kurslücke ist. Für einen Anstieg in diese Richtung gibt es gegenwärtig jedoch keine Anzeichen.
Fazit: Finger weg, hier dürfte es nichts zu gewinnen geben
Die TUI-Aktie steht sowohl fundamental als auch technisch stark unter Druck. Gibt das Papier nur geringfügig mehr nach, drohen neue Verkaufssignale und eine noch stärkere Verkaufsdynamik. Im Trendstärkeindikator MACD zeichnet sich diese bereits ab.
Anlegerinnen und Anleger sollten zum aktuellen Zeitpunkt auf ein Investment in TUI verzichten. Während der Trend gegen einen Einstieg spricht, hat sich auch das Umfeld dramatisch verschlechtert. Das wiederum stellt auch die optisch eigentlich günstige Bewertung mit einem KGVe 2026 von 5,7 infrage. In Zeiten wachsender Konsumzurückhaltung auf einen Konsumentenwert zu setzen, dürfte sich für Investoren nicht auszahlen.
Gastautor: Max Gross

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