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Anlegerinnen und Anleger brauchen bei Software-Aktien weiterhin viel Geduld, SAP stellt keine Ausnahme dar. Hat die Aktie wenigstens ihren Boden erreicht?
Rekordjagd an den Märkten, doch SAP schaut weiter nur hinterher
Angetrieben von der Hoffnung auf ein Ende des Iran-Krieges sowie starken Quartalszahlen notieren viele Märkte bereits wieder auf neuen Allzeithochs. Eine besonders spektakuläre Rallye läuft gegenwärtig im US-Technologieindex Nasdaq 100, der sich angetrieben von Halbleiter- und KI-Infrastrukturwerten in wenigen Wochen um sagenhafte 20 Prozent steigern konnte. Aber selbst der als träge geltende DAX konnte sich zuletzt bis auf 2 Prozent an seine bisherigen Rekordnotierungen heranpirschen.
Am Höhenflug unverändert keinen Anteil haben viele Software- und Cloud-Dienstleistungsunternehmen. Trotz starker Geschäftsberichte geben Aktien wie Microsoft, SAP und ServiceNow ein unverändert trauriges Bild ab. Vor allem SAP lässt hierzulande viele Anlegerinnen und Anleger verzweifeln, weil es einer der wenigen deutschen Technologiewerte von internationalem Rang ist. Immerhin: Die Talfahrt der vergangenen Wochen und Monate konnte zumindest gestoppt werden. Doch ist der Boden bereits gefunden oder könnte es hier nicht doch nochmal zu einer Verkaufslawine kommen? Dazu der Blick in den Chart.

Ist das jetzt der Boden? Könnte durchaus sein, aber ...
Seit fast eineinhalb Jahren handelt die SAP-Aktie nun in einem Abwärtstrend. Dass die Geduld vieler Anlegerinnen und Anleger strapaziert wird, ist dadurch verständlich zumal die Kursverluste in Anbetracht einer Halbierung empfindlich sind. Im Januar kam es nach vom Markt als schwach empfunden Quartalszahlen - vor allem beim Cloud-Wachstum blieben die Walldorfer hinter den Erwartungen zurück - zu einer Abwärtstrendverschärfung, die im Trendstärkeindikator MACD durch ein neues Tief angezeigt wurde. Dadurch fiel SAP auf den niedrigsten Stand seit mehr als 2 Jahren. Solche Mehrjahrestiefs gelten in der technischen Analyse als Verkaufssignale.
Allzu viel ist den Bären seither jedoch nicht mehr gelungen. Im Bereich von 140 bis 150 Euro ist die Aktie ähnlich wie zuvor im Bereich um 170 Euro auf anhaltendes Kaufinteresse gestoßen. Im Bereich von 140 Euro liegt inzwischen sogar ein Doppelboden vor. Die schwachen technischen Indikatoren, lange ein Klotz am Bein der Aktie, haben sich zumindest so weit verbessert, als dass im MACD bullishe Divergenzen vorliegen und dieser gemeinsam mit dem Relative-Stärke-Index (RSI) in einem Aufwärtstrend handelt.
Das erhöht die Wahrscheinlichkeit darauf, dass hier tatsächlich ein Boden vorliegt, der zum Ausgangspunkt einer mittelfristigen Erholung werden könnte. Gestärkt wird diese These durch den Umstand, dass der MACD auf Wochenbasis (nicht eingezeichnet) über seine Signallinie klettern konnte, was anzeigt, dass der Abwärtstrend auch übergeordnet an Fahrt verliert. Das bedeutet aber nicht, dass die Aktie nicht noch einmal tiefer fallen könnte. Eine vergleichbare Situation lag im Sommer / Herbst 2022 vor.

... ein Restrisiko für einen weiteren Kursrutsch gibt es noch!
Für einen weiteren Kursrutsch gibt es ein klar erkennbares Szenario. In den vergangenen Tagen ist die Aktie am Ausbruch aus dem kurzfristigen Abwärtstrendkanal beziehungsweise über die 50-Tage-Linie gescheitert, welche damit als Widerstände bestätigt wurden. Das könnte jetzt für neuen Verkaufsdruck und einen weiteren Rücksetzer bis 140 Euro sorgen. Wird diese Marke unterschritten, kommt es mit weiteren Mehrjahrestiefs zu neuen Verkaufssignalen. In diesem Fall dürfte der Unterstützungsbereich zwischen 120 und 125 Euro angelaufen werden.
Gelingt den Käuferinnen und Käufern mithilfe der jüngsten technischen Verbesserungen aber der Sprung darüber - idealerweise auch über 160 Euro - läge nicht nur ein Doppelboden, sondern auch eine U-förmige Konsolidierung vor. Die gelten als besonders belastbar und zuverlässig, wenn es darum geht, größere Erholungsbewegungen zu prognostizieren. Während die jüngsten Fortschritte in den technischen Indikatoren für dieses Szenario sprechen, lässt der noch immer unter der Nulllinie liegende MACD, welcher damit unverändert einen Abwärtstrend der Aktie anzeigt, Zweifel aufkommen.
Fazit: Wer drin ist, bleibt es - wer rein will, wartet ab
Anlegerinnen und Anleger, welche bei der Aktie von SAP auf eine Trendwende setzen, dürfen sich nach der Stabilisierung des Kursgeschehens in den vergangenen Tagen Hoffnungen darauf machen, dass der Boden bereits gefunden ist und jetzt eine Erholungsbewegung stattfinden könnte. Nach einem ersten gescheiterten Versuch, auch zu prozyklischen Kaufsignalen zu gelangen, ist die Gefahr zur Unterseite aber noch nicht gebannt. Die gegenwärtig entscheidenden Kursmarken liegen bei 160 Euro auf der Ober- und 140 Euro auf der Unterseite.
Wer bereits investiert ist, kann das bleiben, da das Abwärtspotenzial bei neuen Verlusten überschaubar wäre. Anlegerinnen und Anleger, welche noch über keine Position verfügen, bleiben vorerst an der Seitenlinie. Eingestiegen werden kann entweder nach einem Dreifachboden bei 140 Euro, in der Unterstützungszone zwischen 120 und 125 Euro oder nach prozyklischen Kaufsignalen oberhalb von 160 Euro.
Gastautor: Max Gross

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