
© Foto: Growtika auf Unsplash (Symbolbild)
Fast 30 Prozent im Minus seit Januar, das sind nicht nur kleine Kratzer. SAP steckt mitten in einer der härtesten Phasen der Unternehmensgeschichte. Die KI-Revolution macht vor niemandem halt, und ausgerechnet Firmen wie Anthropic oder OpenAI sorgen dafür, dass klassische Softwarekonzerne schlaflose Nächte haben. Doch gleichzeitig pumpt SAP Milliarden in den Umbau, die Cloud boomt, und strategische Zukäufe sollen das Fundament für die Zukunft legen. Ist das der Beginn eines echten Kurs-Rebounds, oder nur eine kurze Verschnaufpause vor dem nächsten Absturz? Wer jetzt kauft, sollte Acht geben und vorbereitet sein! Starke Nerven sind wichtig und wer wartet, riskiert vielleicht, den Einstieg zu verpassen. Was also tun mit SAP?
Operative Stärke trifft auf Zukunftsangst
SAP liefert operativ "eigentlich" solide Zahlen. Im ersten Quartal 2026 kletterte der Gesamtumsatz auf 9,56 Milliarden Euro, ein Plus von sechs Prozent. Das Cloud-Geschäft legte sogar um 19 Prozent zu. Währungsbereinigt waren es 27 Prozent. Der Cloud-Auftragsbestand erreichte 21,9 Milliarden Euro. Das ist ein Zuwachs von 25 Prozent. Auch beim Gewinn zeigt sich ein positives Bild: Das Ergebnis je Aktie verbesserte sich von 1,52 auf 1,66 Euro. Und dennoch straft die Börse den Walldorfer Konzern gnadenlos ab. Das Grundproblem ist ein anderes. KI-Systeme wie die von Anthropic oder OpenAI verändern die Spielregeln im Softwaremarkt grundlegend. Traditionelle Softwaremodelle geraten unter Druck. SAP weiß das, und handelt. Konzernchef Christian Klein setzt auf eine neue Preisstrategie, die Gebühren stärker an den tatsächlichen KI-Einsatz koppelt. Bereits 60 Prozent der Cloud-Erlöse basieren heute auf verbrauchsorientierten Modellen. Drei Übernahmen in kurzer Zeit, Prior Labs, Reltio und Dremio, sollen die hauseigene Daten-Cloud zur vollständigen KI-Pipeline ausbauen. Allein in Prior Labs fließen über vier Jahre mehr als eine Milliarde Euro. Das sind keine halben Sachen, die SAP da macht.

Charttechnik
Die SAP-Aktie notiert aktuell bei rund 144 Euro, und damit sehr, sehr deutlich unter ihrem 2025er-Hoch von 283,50 Euro. Das ist brutal. Ein nachhaltiger Rebound ist bisher ausgeblieben, trotz einzelner kurzer Erholungsversuche. Das Chartbild sendet weiterhin eher negative Signale. Zwar zeigt der RSI erste Anzeichen einer Erholung. Er lugt aus dem überverkauften Bereich zaghaft heraus, aber Anfang Mai trat ein sogenanntes "Shooting Star"-Muster auf, ein klassisches Short-Signal. Der Kurs bleibt klar unterhalb wichtiger Widerstandszonen. Ein erneuter Test der Tiefs scheint daher durchaus möglich. Er notiert auch unter den wichtigen gleitenden Durchschnitten (50er und 200er SMA). Fällt die Aktie auf neue Jahrestiefs, könnte es sogar bis in Richtung 125 Euro gehen. Dort aber könnte ein ernsthafter Bodenbildungsprozess einsetzen, das Niveau bietet charttechnisch eine recht solide Unterstützungszone. Wer den positiven Fall im Blick hat: Gelingt der Ausbruch nach oben, z. B. zunächst über den 50er SMA (aktuell bei 153,83 Euro), sind 170 bis 180 Euro das nächste realistische Kursziel. Die entscheidende Frage ist, welches Szenario sich durchsetzt.
Was tun?
Die Fundamentaldaten sprechen eine relativ klare Sprache: starkes Cloud-Wachstum, ein stabiler Auftragsbestand und ein Vorstand, der den Wandel aktiv angeht. Analysten von Barclays, UBS und Goldman Sachs sehen die Aktie weiterhin als Kauf, die Kursziele reichen bis 276 Euro. Das klingt aus heutiger Sicht weit weg, aber es zeigt, welches Potenzial dem Titel grundsätzlich zugetraut wird. Charttechnisch bleibt die Lage angespannt. Kurzfristig ist weiterer Druck nicht auszuschließen, ein Test der 125-Euro-Marke sollte niemanden überraschen. Wer aber einen längeren Horizont mitbringt und den Einstieg gestaffelt aufbaut, findet bei SAP ein fundamental gut aufgestelltes Unternehmen mit echter KI-Strategie. Der nächste große Katalysator kommt am 23. Juli 2026, dann öffnet SAP die Bücher zum zweiten Quartal. Bis dahin gilt: wenn dann eher behutsam eine Position aufbauen, Geduld mitbringen, und bei 125 Euro dann eher mal nachkaufen.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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