
© Foto: fn Symbolbild
Rheinmetall der Rüstungsliebling der Börse, zumindest war das lange Zeit so. Der Rüstungskonzern aus Düsseldorf galt als sichere Bank in kriegerischen Zeiten. Steigende Verteidigungsbudgets, volle Auftragsbücher, Kurs nach oben. Doch dann kam der brutale Abschwung. Seit dem Allzeithoch hat die Aktie knapp 40 Prozent verloren. Analysten raufen sich die Haare, denn fast alle empfehlen Rheinmetall zum "Kauf", das durchschnittliche Kursziel liegt bei knapp 2.000 Euro, und trotzdem dümpelt der Kurs um die 1.200 Euro. Was läuft hier schief? Ist das eine historische Einstiegsgelegenheit, oder droht noch mehr Schmerz? Die Antwort steckt im Chart, in den Zahlen und in einer Entwicklung, die viele Anleger so nicht auf dem Schirm hatten. Wir klären auf! Das sollten Sie jetzt wissen!
Absturz von Rheinmetall
Noch vor wenigen Monaten war Rheinmetall das Zugpferd des DAX. Der Kurs kletterte bis auf knapp 2.000 Euro, angetrieben von steigenden NATO-Budgets, Großaufträgen und einer fast schon euphorischen Stimmung rund um europäische Rüstungswerte. Dann drehte die Stimmung. Seit dem Hoch hat die Aktie mehr als 40 Prozent verloren und selbst wer erst Anfang des Jahres einstieg, sitzt auf einem Minus von über 20 Prozent. Auf Sicht von drei Monaten sind es sogar nahezu 30 Prozent. Aber was steckt dahinter? Zum einen haben viele Anleger schlicht Kasse gemacht. Nach dem außergewöhnlichen Anstieg im Jahr 2025 war eine Korrektur fast unvermeidlich. Zuviel Vorschusslorbeeren im Kurs. Dann kamen dazu enttäuschende Quartalszahlen. Zwar nicht dramatisch schwach, aber eben auch nicht stark genug, um die echt hohen Erwartungen zu erfüllen. Die UBS reagierte und senkte ihr Kursziel von 2.200 auf 1.600 Euro. Das traf dann schon mal die Aktie hart. Dennoch hält die Bank trotzdem an ihrer Kaufempfehlung fest, ein Widerspruch, der die Unsicherheit im Markt ebenfalls gut beschreibt. Aber operativ sieht es anders aus. Für diese Jahr erwarten Analysten einen Umsatz von über 14 Milliarden Euro. Ein Jahr darauf sollen es knapp 19 Milliarden sein. Der Nettogewinn könnte im kommenden Jahr auf 2,4 Milliarden Euro steigen. Rheinmetall wächst also, der Kurs spiegelt das gerade nicht wider. Aber warum? Wir schauen auf den Chart, um es zu verstehen.

Charttechnik
Der Chart erzählt eine klare Geschichte, und die ist wohl (leider für die Käufer) noch nicht zu Ende erzählt. Nach dem Absturz vom Allzeithoch fand die Aktie bei rund 1.120 Euro einen ersten Boden. Von dort startete eine Erholung von gut zehn Prozent. Das klingt erstmal gut, ist charttechnisch aber noch kein Befreiungsschlag. Vielmehr scheint es als wäre es vielleicht sogar so etwas wie eine Bullenfalle, ein Anstieg der zum Einstieg lockt, aber Wer sich mit der klassischen Charttechnik auskennt, erkennt das Muster: Aus dem Hoch bei rund 2.000 Euro und einer Nackenlinie bei etwa 1.500 Euro lässt sich ein Kursziel nach unten ableiten, und das landet bei ungefähr 1.000 Euro. Eine SKS eben, eine Schulter-Kopf-Schulter-Formation. Genau dort (1.000 Euro, bzw. knapp darunter) wäre die Bewegung rechnerisch abgearbeitet. Bis die Aktie diesen Bereich wirklich berührt oder knapp darunter gehandelt hat, bleibt die charttechnische Situation unbereinigt. Eine echte Bodenbildung sieht anders aus. Konkret bedeutet das: Zwischen dem aktuellen Kurs und einer nachhaltigen Erholung stehen mehrere Hürden bei 1.325, 1.475 und 1.550 Euro. Erst wer diese Widerstände überwindet, kann von einer echten Trendwende sprechen. Fällt die Aktie dagegen wieder unter 1.150 Euro, rücken Kursziele von sogar unter 1000 bei 950 Euro und darunter sogar 800 Euro ins Blickfeld. Das ist kein Szenario, das man ausschließen darf. Ein weiteres Indiz dafür ist die noch offene Kurslücke zwischen 800 und 850 Euro.
Was tun?
Die Lage bei Rheinmetall ist vielschichtig. Das Unternehmen selbst läuft gut, Aufträge kommen rein, die Umsätze wachsen, die Verteidigungsbudgets in Europa steigen weiter. 21 von 28 Analysten sagen Kaufen, das mittlere Kursziel liegt bei fast 2.000 Euro. Das klingt verlockend. Doch der Chart mahnt zur Vorsicht. Solange der Kurs nicht wirklich in den Bereich um 1.000 Euro, bzw. darunter, abgetaucht ist und dort einen stabilen Boden gebildet hat, bleibt das Risiko weiterer Rückschläge bestehen. Wer neu einsteigen will, tut eventuell gut daran zu warten. Bis dahin gilt: Beobachten statt handeln.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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