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Lange war es still um Delivery Hero. Doch plötzlich dreht sich alles. Uber, der US-Fahrdienstriese, hat ein erstes Angebot auf den Tisch gelegt. 33 Euro je Aktie. Die Aktionäre winkten ab. Zu wenig. Dann kam DoorDash ins Spiel, und der Kurs explodierte weiter. Über 10 Handelstage in Folge mit Gewinnen, eine Rally von knapp 90 Prozent innerhalb weniger Wochen, das ist keine normale Börsenstory mehr. Das ist ein Übernahmepoker mit offenem Ausgang. Wer bekommt den Berliner Lieferriesen? Und was bedeutet das für Anleger?
Milliarden-Poker um Delivery Hero: Uber will alles, Aktie explodiert
Es begann still. Uber kaufte sich leise bei Delivery Hero ein, erst sieben Prozent, dann mehr. Mitte Mai dann der große Schritt: Der US-Konzern hielt plötzlich 19,5 Prozent des Berliner Lieferdiensts, dazu Optionen auf weitere 5,6 Prozent. Damit war Uber über Nacht zum größten Einzelaktionär aufgestiegen, noch vor dem niederländischen Technologieinvestor Prosus mit 16,8 Prozent. Kurz darauf das klare Signal: Uber legte ein unverbindliches Übernahmeangebot über 33 Euro je Aktie vor. Das Ziel ist eine Komplettübernahme. Delivery Hero bestätigte das Interesse offiziell. Der Vorstand prüft nun verschiedene Szenarien, darunter einen vollständigen Verkauf, aber auch eine Aufspaltung, bei der das Nahost- und das Südkoreageschäft separat veräußert werden könnten. Parallel dazu ist auch der US-Konkurrent DoorDash auf der Bildfläche erschienen. Der Wolt-Eigentümer soll laut Financial Times mehrere Großaktionäre kontaktiert haben. Besonderes Interesse gilt dem Nahostgeschäft mit den Marken Talabat und HungerStation sowie dem türkischen Ableger Yemeksepeti. Auch eine Komplettübernahme sei nicht ausgeschlossen. Das erste Angebot von Uber reicht den Investoren jedenfalls nicht. Mehrere Aktionäre fordern mindestens 40 Euro je Aktie, ein Aufschlag von fast 20 Prozent auf den damaligen Kurs. Analysten der Investmentbank Barclays sehen den fairen Wert sogar noch höher, Jefferies schreibt ebenfalls von Forderungen über der 40-Euro-Marke.

Charttechnik
Der Blick auf den Chart macht deutlich, wie weit die Aktie bereits gelaufen ist. Innerhalb von wenigen Wochen legte Delivery Hero knapp 90 Prozent zu. Über 10 Handelstage in Folge mit Kursgewinnen, das ist außergewöhnlich. Der RSI notiert inzwischen weit über 80 und damit deutlich im überkauften Bereich. Das ist normalerweise kein gutes Zeichen für Neueinsteiger. Der nächstgrößere charttechnische Widerstand liegt zwischen 40 und 44 Euro. Dort könnte sich Gegenwind aufbauen. Wer jetzt kauft, läuft Gefahr, in Gewinnmitnahmen zu laufen, besonders dann, wenn die Übernahmegespräche ins Stocken geraten oder kein höheres Angebot kommt. Ein Rücksetzer wäre nach einem solchen Lauf nicht unbedingt überraschend.
Was tun?
Delivery Hero steht fundamental vor einem Wendepunkt. Die Quartalszahlen vom April zeigten Umsatzwachstum bei bestätigten Jahreszielen, solide, aber kein "Burner". Die echte Fantasie steckt im Übernahmeszenario. Trotzdem gilt, dass der Kurs mittlerweile die meisten realistischen Szenarien bereits eingepreist haben könnte. Ein formales Angebot liegt noch nicht vor, regulatorische Hürden, Stichwort EU-Kartellrecht und Prosus-Auflagen, sind möglicherweise ebenfalls erheblich. Wer bereits investiert ist, sollte aber einen Stopp in Betracht ziehen. Die Frage ist nur, ob dieser greift, wenn über Nacht News kommen. Für Neueinsteiger ist das Chance-Risiko-Verhältnis nach einer 90-Prozent-Rally schwierig. Wer neu einsteigen will, wartet besser auf einen Rücksetzer oder eine Konsolidierung oder lässt vielleicht gleich ganz die Finger davon.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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