FRANKFURT (DEUTSCHE-BOERSE AG) - Nach einer starken Performance im Mai starten die Börsen hoffnungsvoll in den neuen Monat. Der Iran-Krieg bleibt im Fokus. Für die Börsen zählen aber auch die gut gelaufene Berichtssaison, gesunkene Zinsen und die anhaltende KI-Euphorie.
1. Juni 2026. FRANKFURT (Deutsche Börse). Die Aktienmärkte sind mit Kurszuwächsen aus dem Mai gegangen. Der DAX (DE0008469008) stieg in der vergangenen Woche um 0,9 Prozent, der Stoxx Europe 600 (EU0009658202) kam auf ein Plus von 0,1 Prozent. An den US-Börsen fielen die Wertzuwächse mit 1,4 Prozent (S&P 500) bzw. 2,9 Prozent (Nasdaq 100) noch höher aus. Auch auf Monatssicht entwickelten sich die Indizes sehr positiv. Der DAX schaffte im Mai ein Plus von 3,3 Prozent, der Stoxx Europe 600 2,4 Prozent. S&P 500 und Nasdaq 100 legten 5,1 bzw. 10,5 Prozent zu.
Iran bleibt der kurzfristige Schalter
Für die neue Woche ist der Iran-Krieg unverändert einer der wichtigsten Einflussfaktoren. Die Strategen der Commerzbank verweisen darauf, dass ein Rahmenabkommen zwischen den USA und dem Iran zuletzt "zum Greifen nah" schien. Der Markt hatte dieses Szenario zum Teil wohl auch schon eingepreist. Dafür sprechen aus Sicht der Analysten der gesunkene Ölpreis, geringere Inflationserwartungen und rückläufige Anleiherenditen. Obwohl der erhoffte Befreiungsschlag am Wochenende ausgeblieben ist und Öl sich wieder etwas verteuert hat, liegt der DAX am Montagmorgen mit 25.123 Punkten leicht im Plus. Am Freitag hatte er bei 25.105 Punkten geschlossen.
Starke Unternehmenszahlen stützen
Neben der Hoffnung auf eine zeitnahe Einigung im Iran-Krieg gelten auch die gut verlaufene Berichtssaison und der KI-Boom als Gründe für die neuen Hochs an den US-Börsen. Der DAX hat sich seinem bisherigen Hoch zumindest angenähert. Markus Reinwand von der Helaba sieht die Unterschiede zwischen den großen Aktienindizes vor allem in der Sektorstruktur. Technologie und Telekommunikation hätten die jüngste Entwicklung geprägt. Im Technologiesektor des S&P 500 hätten mehr als 90 Prozent der Unternehmen trotz hoher Erwartungen positiv überrascht. Durch die Gewinnentwicklung habe sich die Bewertung reduziert, auch wenn die Aktien nach Einschätzung der Helaba nicht günstig seien. Von einer Blase zu sprechen, hält Reinwand derzeit aber für übertrieben.
Ein Sommer mit Korrekturrisiken
Nach den jüngsten Kursgewinnen wäre ein Durchatmen der Märkte dennoch nicht ungewöhnlich. Die Commerzbank verweist diesbezüglich bereits auf erste Mittelabflüsse aus globalen Aktienfonds und gleichzeitige Zuflüsse in Anleihefonds. Das könne dafür sprechen, dass Aktien von einem möglichen Iran-Abkommen weniger stark profitieren als die Rentenmärkte.
Robert Halver von der Baader Bank sieht ebenfalls Raum für stärkere Schwankungen. Die spekulativen Netto-Long-Positionen am US-Aktienmarkt zeigen seiner Ansicht nach eine steigende Risikobereitschaft. In der umsatzschwächeren Sommerzeit könne es deshalb volatiler werden, gerade bei neuen Meldungen zu Geo- und Geldpolitik. Zugleich sieht Halver die Märkte nicht in überschäumender Euphorie.
Jensen Huang spricht in Taiwan
Am heutigen Montag richten sich die Blicke der Anlegerinnen und Anleger auch nach Taiwan. Einen Tag vor der offiziellen Eröffnung der Technologiemesse Computex hält Nvidia-Chef Jensen Huang dort eine Rede. In der vergangenen Woche hatte der in Taiwan geborene Gründer des weltgrößten Chipkonzerns Investitionen von jährlich 150 Milliarden US-Dollar in der Region angekündigt, die er als "Epizentrum der KI-Revolution" bezeichnete.
Charttechniker sieht neue Rekordstände für den DAX
Aus Sicht der Charttechnik ist vor allem die relative Schwäche der europäischen Aktienindizes gegenüber den US-Märkten auffällig. Marcel Mußler verweist auf das zweigeteilte Bild innerhalb Deutschlands. "Während der DAX pausierte, war beim MDAX und beim SDAX Partywoche", beschreibt der technische Analyst die jüngste Entwicklung an den Märkten. Trotzdem bleibt er auch für den größten deutschen Aktienindex zuversichtlich: "Auch seinen oberen Ausbruch werden wir erleben." Bis zu einem neuen Allzeithoch benötigt der DAX noch einen Anstieg von rund 400 Punkten. Im Anschluss sei der Weg frei bis zum neuen Aufwärtstrendkanal seit März, der aktuell bei 26.700 Punkten verlaufe.
Wichtige Konjunktur- und Wirtschaftstermine der Woche
Montag, 1. Juni
16.00 Uhr. USA: Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe. Der Index dürfte im Mai leicht gestiegen sein und damit eine etwas robustere Industriekonjunktur anzeigen. Die Deutsche Bank sieht ihn bei 53,2 Punkten nach 52,7 Punkten im April; die Commerzbank rechnet ebenfalls mit einer weiteren Verbesserung.
Dienstag, 2. Juni
11.00 Uhr. Eurozone: Inflationsdaten. Für die EZB ist vor allem die Kernrate ohne Energie und Nahrungsmittel relevant. Deka und Commerzbank rechnen hier mit einem Anstieg von 2,2 auf 2,4 Prozent. Die Gesamtinflation dürfte ebenfalls höher ausfallen; die Deka stellt sich auf 3,2 Prozent ein und verweist auf wieder stärkeren Preisdruck im Tourismussektor nach den früheren Osterferien.
Taiwan: Start der Technologiemesse Computex. Die bis Freitag unter dem Motto "AI Together" laufende Messe konzentriert sich stark auf Künstliche Intelligenz, Computing, Next-Gen-Technologien, Robotik und Mobilität. Mit 1.500 Ausstellern erreicht die Computex in diesem Jahr einen neuen Rekord.
Mittwoch, 3. Juni
16.00 Uhr. USA: Einkaufsmanagerindex für den Dienstleistungssektor. Nach 53,6 Punkten im April wird ein nahezu unveränderter Wert erwartet. Ein Stand klar über 50 Punkten würde weiter auf Wachstum im Dienstleistungssektor hindeuten. Die Commerzbank sieht darin ein Signal für eine weiterhin solide US-Konjunktur.
20.00 Uhr. USA: Konjunkturbericht der US-Notenbank. Das Beige Book liefert eine aktuelle Bestandsaufnahme der regionalen Wirtschaftsentwicklung in den USA. Für die Märkte ist vor allem relevant, ob Unternehmen weiter Preisdruck melden und ob sich am Arbeitsmarkt erste stärkere Bremsspuren zeigen.
Nach 22.00 Uhr: Veröffentlichung der Indexanpassungen für DAX, MDAX, SDAX u.a.
Freitag, 5. Juni
14.30 Uhr. USA: Arbeitsmarktdaten. Nach den starken Vormonaten dürfte der Stellenaufbau schwächer ausgefallen sein. Die Deutsche Bank ist mit 65.000 neuen Stellen außerhalb der Landwirtschaft besonders vorsichtig, während Helaba und Commerzbank jeweils 100.000 erwarten. Die Deka verweist auf positive Sondereffekte in den Vormonaten, die nun wegfallen dürften. Die Commerzbank sieht selbst bei einem schwächeren Bericht wenig Spielraum für neue Zinssenkungserwartungen zur Fed-Sitzung im Juni. Erwartet werden zudem eine unveränderte Arbeitslosenquote von 4,3 Prozent und ein Lohnplus von 0,3 Prozent gegenüber dem Vormonat.
Von Thomas Koch, 1. Juni 2026, Deutsche Börse AG
(Für den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die Beiträge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)




