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In den vergangenen Wochen konnte sich die Aktie der Deutschen Telekom zwar gut erholen, doch jetzt lauern neue Gefahren und frische Verkaufssignale.
Defensive Werte nicht gefragt, auch die Deutsche Telekom leidet
Während insbesondere Technologie- und Wachstumswerte von einem Hoch zum nächsten eilen, liegen ganze Teile der weltweiten Aktienmärkte brach. Vor allem für defensive Basiswerte ließ der unstillbare Risikohunger der Anlegerinnen und Anleger in den vergangenen Wochen und Monaten kaum Platz. Ein hervorragendes Beispiel hierfür ist die Aktie der Deutschen Telekom.
Die war zwar stark in das Börsenjahr gestartet, korrigierte dann aber ebenso stark. Der Beginn des Iran-Krieges sorgte für einen explosionsartigen Anstieg der Inflations- und Zinserwartungen. Die sind für die mit viel Fremdkapital arbeitende Telekommunikationsbranche Gift. Inzwischen haben sich der Anleihen- und Aktienmarkt zwar erholt, doch in Fahrt gekommen sind die Anteile der Bonner bislang kaum.
Trotz dieser für Investoren unbefriedigenden Ausgangslage steht die Telekom-Aktie nach dem enttäuschenden Kursgeschehen in der vergangenen Woche vor neuen Problemen. Sie könnte ihre Erholung abbrechen und eine weitere Abwärtsbewegung einleiten, wie der Blick in den Chart zeigt:

Aktie prallt an entscheidendem Widerstandsbereich ab ...
Übergeordnet handelt das Papier in einer mehrjährigen Aufwärtsbewegung. Seit einem Hoch bei knapp 36 Euro im vergangenen Jahr hat sich die Dynamik aber spürbar eingetrübt. Vor allem die lange Konsolidierung im zurückliegenden Jahr kostete Anlegerinnen und Anleger viele Nerven. Für neue Impulse und einen Ausbruch über die Abwärtstrendlinie hatte erst eine Bodenbildung im Bereich von 26 bis 26,50 Euro gesorgt.
Mit dessen Hilfe gelang schließlich die Rückeroberung der 200-Tage-Linie sowie ein Überwinden des Widerstandsbereichs um 30 Euro, woraufhin die Aktie auf 34 Euro kletterte. Doch diese Bewegung wurde im Zusammenhang mit dem Iran-Krieg vollständig rückabgewickelt. Erst im Bereich von 26,50 Euro stieß die Deutsche Telekom wieder auf Kaufinteresse. Dadurch liegt hier inzwischen ein Mehrfachboden vor.
Die jüngste Erholung begann vielversprechend. Eine drohende Bärenflagge als Trendfortsetzungssignal konnte mit einem Ausbruch zur Oberseite neutralisiert werden. Doch in den vergangenen Woche scheiterten die Käuferinnen und Käufer genau an den gleitenden Durchschnitten, welche damit als Widerstände bestätigt wurden. Das könnte jetzt schwerwiegende Folgen haben.
... deshalb könnte es jetzt zu neuen Kursverlusten kommen
Erstens zeichnet sich in den gleitenden Durchschnitten ein Death Cross und damit ein markantes Verkaufssignal ab, dass der Aktie schon im vergangenen Jahr viel Ärger bereitet hat. Zweitens droht eine Rückkehr der Aktie in den zuletzt überwundenen Aufwärtstrendkanal, wodurch wieder die Möglichkeit einer Bärenflagge und die Wiederaufnahme des im Februar und März steilen Abwärtstrends besteht.
Dieses Szenario ist aktuell umso wahrscheinlicher, dass der Trendstärkeindikator MACD unter seine Nulllinie zu fallen droht, was einen neuen Abwärtstrend anzeigen würde. Gleichzeitig ist der Aufwärtstrend im Relative-Stärke-Index (RSI) bereits dahin, während dieser mit einem Stand um 50 Punkte keine Impulse zur Oberseite mehr liefert, was einen weiteren Ausbruchsversuch über die gleitenden Durchschnitte ohne externe Faktoren unwahrscheinlich macht.
Abwärtsrisiken überschaubar - wenn diese Marke hält
Zwar liegt im Bereich von 28 Euro eine Horizontalunterstützung, das wahrscheinlichste Szenario ist nach der Eintrübung der technischen Ausgangslage aber ein weiterer Test der Unterstützung zwischen 26 bis 26,50 Euro. Sollte die Aktie dauerhaft (also mindestens auf Wochenschlusskursbasis) darunter fallen, wäre mit einer weiteren mehrwöchigen bis mehrmonatigen Abwärtswelle zu rechnen. Hier sollten also unbedingt Stopp-Loss-Orders platziert werden.
Für eine Stabilisierung des Kursgeschehens und die Chance auf weitere Erholungsgewinne würde unterdessen ein Anstieg über die gleitenden Durchschnitte sowie den Widerstandsbereich um 30 Euro sorgen. Hierfür gibt es aktuell jedoch keine Anzeichen. Sollte es unerwartet doch so kommen, sollten Anlegerinnen und Anleger ihre Gewinne unbedingt laufen lassen, da der solide Mehrfachboden zu einer Neueinschätzung des Charts durch Investoren führen könnte.
Fazit: Aktuell drängt sich weder der Kauf noch der Verkauf auf
Mit Blick auf die Unternehmensbewertung notiert die Deutsche Telekom aktuell unauffällig. Das Forward-KGV liegt mit 13 etwas unterhalb des 5-Jahres-Mittels von 13,7. Umgekehrt liegt die Dividendenrendite mit rund 3,4 Prozent etwas über dem mehrjährigen Durchschnitt. Insgesamt ist die Aktie damit fair bewertet, was weder Impulse zur Unter- noch zur Oberseite liefert, womit der charttechnischen Ausgangslage umso größere Bedeutung zukommen könnte.
Die diskutierte Zusammenlegung mit der US-Tochter T-Mobile US sorgte zuletzt in beiden Papieren eher für Unsicherheit als für zusätzlichen Rückenwind. Sollte die Diskussion daher an Fahrt gewinnen, dürfte das eher für Risiken zur Unterseite sorgen. Mit Blick auf den Gegenwind durch die anhaltend hohen Realzinsen sind vor allem die Energiepreise zu beachten. Je länger die Straße von Hormus gesperrt und die globale Lieferkette für fossile Brennstoffe unterbrochen bleibt, desto höher die Inflations- und Zinserwartungen und damit auch der Gegenwind für die Aktie. Anlegerinnen und Anleger sollten diese Umstände bei ihren Investmententscheidungen berücksichtigen.
Gastautor: Max Gross
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