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Die Anteile des Rückversicherers waren in den vergangenen Wochen von einer hartnäckigen Korrektur betroffen. Ist jetzt die Zeit für einen Einstieg gekommen?
Halbleiter-Aktien hui, der ganze Rest pfui?
Für Anlegerinnen und Anleger außerhalb der Halbleiter- und Technologiebranche gab es in den vergangenen Wochen und Monaten nur wenig zu holen. Trotz täglich neuer Kursrekorde im Nasdaq 100 und Co. befinden sich viele Aktien schon seit geraumer Zeit im Rückwärtsgang. Innerhalb des deutschen Leitindex DAX waren von der anhaltenden Kapitalflucht von Value- in Wachstumswerte der Versicherungsriese Allianz sowie die beiden Rückversicherer Hannover Rück und Münchner Rück betroffen trotz zufriedenstellender Geschäftsentwicklung, moderaten Bewertungen und hohen Dividendenrenditen.
Vor allem die in den vergangenen Jahren erfolgsverwöhnte Münchner-Rück-Aktie handelte zuletzt mit ungewöhnlich hohen Verlusten. Gegenüber dem Jahreswechsel steht hier ein Minus von mehr als 20 Prozent zu Buche. Gegenüber dem vor mehr als einem Jahr markierten Allzeithoch fallen die Verluste sogar noch deutlich höher aus. Das zeigt, wie stark die Aktie vom anhaltenden Abwärtstrend betroffen war, der sich zuletzt sogar noch einmal verschärft hat. Ist hier ein Boden inzwischen in Reichweite oder müssen Anlegerinnen und Anleger weitere Verluste einplanen?

Münchner Rück: Die langfristige Erfolgsstory hat inzwischen starke Risse
Langfristig befindet sich die Aktie des weltweit größten Rückversicherers in einem übergeordneten Aufwärtstrend. Die Münchner Rück profitierte von der globalen Zinswende nach dem Beginn des Ukraine-Krieges und der durch diesen ausgelösten Inflationswelle in Form höherer Anleiherenditen. Gleichzeitig blieben finanzielle Belastungen durch Großschäden weitestgehend aus. Geringere Rückstellungen sorgten für höhere Erträge und starke Kapitalrenditen. Diese Story ist zwar grundsätzlich intakt, hat aber Risse bekommen, nachdem einerseits ein Super-El-Nino mit potenziellen Großschäden droht und andererseits der Ausverkauf an den Anleihenmärkten zwar für höhere Renditen sorgt, gleichzeitig aber den Buchwert der im Anlageportfolio befindlichen Anleihen schmälert.
Seit über einem Jahr handeln die Anteile nun in einem Abwärtstrend, nachdem im April 2025 noch ein neues Allzeithoch markiert wurde. Ließ sich das Kursgeschehen in der zweiten Jahreshälfte noch als Seitwärtskonsolidierung interpretieren, innerhalb der es immer wieder auch zu positiven Impulsen wie dem Rückerobern der gleitenden Durchschnitte gekommen war, erzielten die Bären zuletzt große Erfolge, nachdem die Durchschnittslinien ein Golden Cross und damit ein potenzielles Kaufsignal verpasst hatten und die Aktie durch den Unterstützungsbereich zwischen 500 und 520 US-Dollar und aus dem Abwärtstrendkanal herausgefallen ist. Dadurch liegen jetzt Mehrjahrestiefs vor, die in der technischen Analyse Verkaufssignale bedeuten.
Der Chart sieht nicht gut, aber auch nicht hoffnungslos aus
Tatsächlich lässt die technische Indikation erstmal wenige Rückschlüsse darauf zu, dass sich am Kurs der Aktie kurz- und mittelfristig etwas ändern könnte. Die Unterstützungslinie bei 440 Euro beruht lediglich auf einem Korrekturtief aus dem August 2024. Der nächste, deutlich solider wirkende Supportbereich beginnt erst bei 410 Euro. Gleichzeitig ist die technische Indikation mit einem RSI im überverkauften Bereich und einem Trendstärkeindikator MACD auf einem Mehrjahrestief, welches das Tief der Aktie bestätigt, äußerst schwach. Verluste von weiteren 10 Prozent sollten also eingeplant werden.
Aussichtslos ist das Hoffen auf eine unmittelbare Gegenbewegung jedoch nicht. Denn der überverkaufte RSI kann auch als Indiz dafür gewertet werden, dass die Verkäuferinnen und Verkäufer ihr Pulver bereits verschossen haben. Außerdem liegen erste bullishe Divergenzen vor, nachdem sich der RSI zuletzt nicht weiter verschlechtert, sondern sogar etwas verbessert hat. Dass der RSI auch auf Wochenbasis bei 30 Punkten notiert und damit einen weit fortgeschrittenen Abwärtstrend anzeigt, liefert ein weiteres Indiz für zumindest ein vorläufiges Ende der Verkaufsbewegung. Dieses Argument wird gestützt durch eine Wochenkerze außerhalb der Bollinger Bänder (nicht eingezeichnet), die außerdem eine Hammerkerze und damit eine oft erfolgreiche Wendekerze darstellt.
Aus diesen Anzeichen lässt sich trotz der ausgeprägten technischen Schwäche die Möglichkeit einer technischen Gegenbewegung ableiten. Dieses Szenario ist aber nur für Traderinnen und Trader interessant, da prozyklische Kaufsignale oder gar eine dauerhafte Trendwende noch in weiter Ferne liegen. Hierfür müsste die Aktie zunächst in den Trendkanal zurückkehren, über die gleitenden Durchschnittslinien klettern und anschließend zur Oberseite ausbrechen. Hiervon ist die Aktie aber rund ein Viertel entfernt. Wer mit einer Erholung rechnet, sollte aktuell nicht viel mehr als 500 Euro einplanen.
Fazit: Hochattraktives Bewertungsniveau rechtfertigt ersten Einstieg
Mit Blick auf die Unternehmensbewertung ist die Aktie inzwischen hochattraktiv. Für 2026 steht hier gerade Mal ein KGVe von 8,8 zu Buche, das 2027 sogar auf 8,4 sinken soll. Beide Werte liegen signifikant unter den Werten der vergangenen Jahre, in denen die Münchner Rück mit Gewinnvielfachen zwischen 11 und 12 gehandelt wurde. Das bedeutet, das hier inzwischen jede Menge Gegenwind eingepreist ist und das Unternehmen eher zur Oberseite überraschen dürfte, selbst wenn es im Zusammenhang mit dem zu erwartenden Super-El-Nino zu Großschäden kommen sollte.
Bärenstark ist mit geschätzten 5,8 Prozent Rendite auch die für das Geschäftsjahr 2026 erwartete Dividende, die sich 2027 sogar auf 6,3 Prozent belaufen könnte. Das macht die Aktie innerhalb der ohnehin moderat bewerteten Versicherungsbranche jetzt zu einem der günstigsten Titel, obwohl die Münchner der Weltmarktführer sind. Zum Vergleich: Die Nummer 2 der Welt, die Hannover Rück, wird mit Gewinnvielfachen von 9,8 und 9,7 sowie einer Dividendenrendite von 5,8 und 6,0 Prozent für 2026 und 2027 gehandelt. Damit bieten die Münchner auch im Direktvergleich Bewertungsvorteile.
Während das Chartbild also überaus schwach ist und bislang nur spekulative Chancen auf eine Gegenbewegung einräumt, ist die Bewertung schon jetzt äußerst interessant. Anlegerinnen und Anleger könnten das für einen antizyklischen Einstieg in einer ersten Tranche nutzen, die gegebenenfalls im Bereich von 400 bis 410 Euro um eine zweite Tranche ergänzt wird.
Gastautor: Max Gross
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