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Deutsche Rüstungsaktien befinden sich in einer anhaltenden Kurskrise, doch aus dieser könnte Hensoldt schneller wieder herausfinden als die Rheinmetall-Aktie.
Bei Anlegerinnen und Anlegern noch immer beliebt: Rüstungsaktien!
Deutsche Rüstungsaktien gehörten bei Privatanlegerinnen und -anlegern auch in diesem Jahr mit zu den beliebtesten Anlagevehikeln. Regelmäßig dominieren die Anteile von Hensoldt, Renk und Rheinmetall die Volumen-Charts bei Retail-Handelsplätzen wie Lang & Schwarz und Tradegate.
Das Interesse ist nachvollziehbar: Einerseits lässt die in der Vergangenheit bereits starke Performance auf weitere Kursgewinne in der Zukunft hoffen, andererseits verfügt die Branche dank der Wiederaufrüstungsbemühungen Deutschlands und der EU-Staaten sowie der Kriege in der Ukraine und dem Nahen Osten über eine starke Story.
Hensoldt und Renk hängen Rheinmetall in der Erholung ab
Ausgerechnet beim Branchenprimus Rheinmetall ist das Kurswachstum in den vergangenen Wochen und Monaten jedoch ins Stocken geraten. Investoren sind besorgt über den Wachstumskurs des Unternehmens, nachdem die Düsseldorfer im zurückliegenden Quartal langsamer gewachsen sind, als es die vollen Auftragsbücher hoffen ließen. Dass die Aktie gegenüber ihrem Allzeithoch rund 40 Prozent an Wert verloren hat, demonstriert den Vertrauensverlust.
Zwar verzeichneten die Anteile der Mitbewerber Hensoldt und Renk Verluste in ähnlicher Größenordnung, nichtsdestotrotz stehen sie beide aus charttechnischer Perspektive deutlich besser da als Rheinmetall. Nachdem zuletzt ein Blick auf Renk geworfen wurde, kommt jetzt der Chart von Luftverteidigungsspezialist Hensoldt unter die Lupe:

Seitwärtskonsolidierung dauert an, doch erste Verbesserungen liegen vor ...
Langfristig befindet sich Hensoldt in einem übergeordneten Aufwärtstrend. Dieser hielt bis in den Herbst vergangenen Jahres hinein an, fiel dann jedoch einer aus dem Ruder gelaufenen Unternehmensbewertung sowie bearishen Divergenzen in den technischen Indikatoren RSI und MACD zum Opfer. Seither befindet sich die Aktie nach einem ersten starken Abwärtsimpuls in einer überwiegend seitwärts verlaufenden Konsolidierungsbewegung.
Diese orientierte sich vor allem nach dem Jahreswechsel überwiegend an der 50-Tage-Linie. Anstiegs- und Abverkaufsversuche blieben auf die untere Range bei etwa 70 Euro und die obere Range bei etwa 90 Euro begrenzt. Innerhalb dieser Seitwärtsrange ist es in den vergangenen Wochen zu einem flachen Aufwärtstrend gekommen. Mit dessen Hilfe gelang sogar zeitweise die Rückeroberung der 200-Tage-Linie.
Das Erreichen der Trendkanaloberkante sowie der Begrenzung bei 90 Euro führte jedoch zu einem erneuten Pullback, der jetzt die 50-Tage-Linie in Frage stellt. Dass Hensoldt überhaupt um die 50-Tage-Linie kämpft, ist gegenüber Rheinmetall ein klarer Wettbewerbsvorteil, denn Rheinmetall notiert gegenwärtig deutlich unter seinen gleitenden Durchschnitten, was die relative Schwäche der Aktie verdeutlicht.
... die könnten mittelfristig zum Ausbruch und neuen Kursgewinnen führen!
Gleichzeitig spricht bei Hensoldt jetzt einiges dafür, dass die 50-Tage-Linie nicht nur verteidigt, sondern auch als Ausgangspunkt für einen weiteren Anstiegsversuch dienen könnte. Im Tageschart ist nach den Verlusten der vergangenen Tage eine Hammer-Kerze als Trendwendesignal zu erkennen, ihr könnten jetzt Kursgewinne über 80 Euro folgen.
Diese These wird erhärtet durch die stark verbesserten technischen Indikatoren. Sowohl der Relative-Stärke-Index (RSI) als auch der Trendstärkeindikator MACD befinden sich schon seit geraumer Zeit gegen den seitwärts gerichteten Trend der Aktie in Erholungs- und Anstiegsbewegungen. Der RSI liegt zwar aktuell im leicht negativen Bereich, dafür notiert der MACD aber oberhalb seiner Nulllinie und zeigt damit einen (kurzfristigen) Aufwärtstrend der Aktie an. Dass diese zuletzt etwas gefallen ist, hat nicht zu einem Vorzeichenwechsel geführt, was dafür spricht, dass die Erholungsbewegung anhalten dürfte.
Erneute Anstiege über 80 Euro, die beiden gleitenden Durchschnitte und vor allem über 90 Euro würden klare prozyklische Kaufsignale liefern, die mittelfristig zur Dreistelligkeit und damit einer Wiederaufnahme des übergeordneten Aufwärtstrends führen könnten. Zur Unterseite sollte ein Abrutschen aus dem Aufwärtstrendkanal sowie vor allem eine Aufgabe des Unterstützungsbereichs zwischen 66 und 70 Euro vermieden werden.
Fazit: Teure Aktie, aber schöner Chart, gerade im Vergleich zu Rheinmetall
Mit Blick auf die Unternehmensbewertung ist Hensoldt (KGVe 2026: 55,4) deutlich teurer bewertet als Rheinmetall (KGVe 2026: 33,5). Während Hensoldt also technische Vorteile genießt, ist die Rheinmetall-Aktie aus einer fundamentalen Perspektive attraktiver - wenn die Düsseldorfer nicht wieder enttäuschen. Der Bewertungsunterschied kann dadurch erklärt werden, dass Investoren den Luftverteidigungskapazitäten und den Kompetenzen im Bereich der elektronischen Kriegsführung von Hensoldt auf einem zunehmend von Drohnen bestimmten Gefechtsfeld einen höheren Wert einräumen.
Wer jetzt innerhalb der deutschen Verteidigungsbranche zugreifen möchte, kann das angesichts aussichtsreicher Charts vor allem bei Renk und Hensoldt tun, während bei Rheinmetall trotz attraktiverer Bewertung auf klare prozyklische Kaufsignale gewartet werden sollte - hier ist das Szenario zeitweise dreistelliger Kurse noch nicht vom Tisch!
Gastautor: Max Gross
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