
© Foto: NASA auf Unsplash.
Während Rheinmetall mit einer Kursflaute und SpaceX mit einer astronomischen Bewertung kämpft, bietet L3Harris Weltraum- und Rüstungsfantasie zu einem fairen Preis.
Raumfahrtaktien lassen Anleger abheben, doch das birgt zunehmend Risiken
Der Börsengang von SpaceX hat die Euphorie in der von Anlegerinnen und Anlegern in den vergangenen Jahren ohnehin stark nachgefragten Raumfahrtbranche noch einmal mehr angeheizt. Werte wie Rocket Lab und AST SpaceMobile sind in sozialen Medien wie Reddit und auf Social-Investing-Plattformen wie StockTwits inzwischen allgegenwärtig. Das sorgt zwar für anhaltendes Kaufinteresse gegenüber den Aktien und steigende Kurse, birgt aber immer stärker auch die Gefahr einer Bewertungs- und Spekulationsblase. Schon jetzt halten viele Expertinnen und Experten die Unternehmensbewertung von SpaceX für kaum vertretbar und warnen vor der Aktie.
Die Verengung der Aufmerksamkeit auf die aktuellen Stars der Branche birgt aber noch ein weiteres Problem. Sie lässt Anlegerinnen und Anleger übersehen, dass es längst etablierte Raumfahrtkonzerne mit Tausenden Mitarbeitenden und Umsätzen in Milliardenhöhe gibt - die verstecken sich häufig nur allerdings hinter Rüstungskonzern oder Flugzeugbauern wie Airbus (mit ArianeSpace) oder Lockheed Martin und Northrop Grumman, welche einst mit ihren im Auftrag der NASA entwickelten Raumsonden Menschen erstmals auf den Mond gebracht haben.
L3Harris bietet Rüstung und Raumfahrt in einem - und das zum fairen Preis!
Ein weiterer dieser langfristig erfolgreichen Raumfahrtkonzerne versteckt sich hinter dem Verteidigungswert L3Harris Technologies. Das im US-Gesamtmarktindex S&P 500 notierte Unternehmen ist ein wichtiger Zulieferer mit einer enorm breiten Produktpalette, die von Antriebs-, Kommunikations- und Sensorlösungen bis hin zur Energieversorgung reicht - erst vor Kurzem hat L3Harris eine neue Radionuklidbatterie vorgestellt, die Raumsonden ab 2030 besonders kostengünstig mit Energie versorgen soll.

Nach Korrektur: Einstiegschance in langfristigen Aufwärtstrend
Gegenüber Rüstungswerten wie Rheinmetall auf der einen Seite und SpaceX, AST SpaceMobile und Rocket Lab auf der anderen bietet L3Harris aktuell gleich zwei Vorteile. Einerseits ist die Unternehmensbewertung moderat, was die Aktie positiv von ihren Mitbewerbern abhebt, andererseits ist der Chart deutlich ansprechender, als es bei Rüstungskonzernen wie Rheinmetall der Fall ist.
Langfristig befindet sich die Aktie in einem mehrjährigen Aufwärtstrend, unterstützt von einer anhaltend starken Geschäftsentwicklung. In den vergangenen 10 Jahren hat L3Harris (inklusive Dividende) 361,4 Prozent an Wert gewonnen gegenüber dem Plus von 258,3 Prozent im Gesamtmarktindex S&P 500. Auch in den vergangenen 12 Monaten entwickelte sich die Aktie grundsätzlich stark. Der vielversprechende Jahresauftakt sowie die Rallye im Zusammenhang mit dem Iran-Krieg wurden jüngst jedoch abverkauft, sodass ein mittelfristiger Abwärtstrend vorliegt.
Dieser neigt sich bereits jedoch seinem Ende entgegen, nachdem den Käuferinnen und Käufern im Bereich von 300 US-Dollar eine Bodenbildung gelungen ist. Zwar notiert L3Harris aktuell unter seinen Durchschnittslinien, was noch ein Anzeichen von Schwäche ist, doch die technischen Indikatoren haben sich in den vergangenen Wochen gut erholt und deuten jetzt auf einen Ausbruch aus dem Aufwärtstrendkanal nach oben hin.
Mit dem Sprung über den Widerstandsbereich zwischen 315 und 320 US-Dollar würde L3Harris neue Kaufsignale generieren und könnte damit vor einem Anstieg in Richtung 335 bis 350 US-Dollar stehen. Zur Unterseite dürfte das Papier dagegen bei 300 US-Dollar gut abgesichert sein. Bei 275 US-Dollar stünde außerdem eine weitere Unterstützung zur Verfügung.
Eine Unternehmensbewertung, die überzeugt und Luft nach oben lässt
Mit Blick auf die Unternehmensbewertung ist L3Harris etwas teurer als in der Vergangenheit. Das KGVe 2026 liegt mit 26,5 um 37,5 Prozent über dem 5-Jahres-Mittel von 19,3. Auch gegenüber dem Rest der Branche, der im Mittel mit einem KGV von 20,6 bewertet ist, notiert L3Harris mit einem Aufschlag. Der wird jedoch durch das vergleichsweise kostengünstige Kurs-Gewinnwachstumsverhältnis (PEG) von 1,44 gerechtfertigt, das damit um 16 Prozent unter dem branchenüblichen Wert und sogar um 51,3 Prozent unter der historischen Norm liegt.
Das Kurs-Cashflow-Verhältnis entspricht mit 16,1 dem Branchendurchschnitt. Die Dividendenrendite wiederum ist mit 1,6 Prozent zwar grundsätzlich unauffällig, liegt damit aber um rund 13 Prozent über dem Wert der Vergleichsgruppe. Auch beim Buchwert bietet L3Harris Bewertungsvorteile, hier besteht ein Abschlag von etwa 10 Prozent gegenüber dem Rest der Branche. Damit ist L3Harris insgesamt fair bewertet - eine These, die Analystinnen und Analysten unterstützen würden, welche die Aktie mehrheitlich zum Kauf empfehlen mit einem Kursziel von durchschnittlich 381,95 US-Dollar.
Fazit: L3Harris ist die bessere Alternative zu Rheinmetall und SpaceX
Raumfahrt- und Rüstungswerte stehen bei Anlegerinnen und Anlegern unverändert hoch im Kurs, viele setzen dabei jedoch die falschen Prioritäten und wetten entweder auf charttechnisch zunehmend schwierige Turnarounds (wie bei Rheinmetall) oder setzen aus Angst, etwas zu verpassen, auf zwar momentumstarke, aber hoffnungslos überbewertete Titel wie AST SpaceMobile, Rocket Lab und SpaceX.
Einen starken Kompromiss aus Substanz und Raumfahrtkompetenz bietet dagegen die Aktie von L3Harris. Die moderate Unternehmensbewertung sowie der jüngste charttechnische Boden sprechen jetzt für eine hervorragende Einstiegschance, die sich für Investoren mittel- und langfristig auszahlen dürfte. Wer einen Stopp knapp unterhalb von 300 US-Dollar setzt, sollte im Fall einer Korrektur spätestens bei 275 US-Dollar zuschlagen.
Gastautor: Max Gross

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