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Thyssenkrupp im Umbau: TKMS, Stahlgeschäft und Börsenpläne im Fokus. Gelingt der Ausbruch könnte neues Kurspotenzial entstehen.
Bei Thyssenkrupp läuft derzeit einer der größten Konzernumbauten der vergangenen Jahrzehnte. Der Industriekonzern entwickelt sich Schritt für Schritt von einem klassischen Stahl- und Industriekonzern hin zu einer Beteiligungs- und Finanzholding, bei der die einzelnen Geschäftsbereiche zunehmend verselbstständigt und für Investoren geöffnet werden. Entsprechend wird die Aktie aktuell weniger nach den klassischen Kennzahlen bewertet, sondern vor allem als Umbau- und Sonderstory gehandelt.
Das Umfeld bleibt dabei anspruchsvoll. Die schwache Industriekonjunktur, geopolitische Unsicherheiten und der Druck auf wichtige Absatzmärkte belasten weiterhin das operative Geschäft. Im Geschäftsjahr 2024/2025 erzielte Thyssenkrupp mit rund 93.000 Mitarbeitern einen Umsatz von etwa 33 Milliarden Euro. Positiv ist jedoch, dass das bereinigte operative Ergebnis wieder in die Gewinnzone zurückkehren konnte.
Besonders im Fokus steht weiterhin die Stahlsparte Steel Europe. Nachdem Verkaufsverhandlungen mit mehreren Interessenten, darunter die indische Jindal-Gruppe, gescheitert sind, setzt das Management nun auf eine eigenständige Sanierung. Geplant ist eine Reduzierung der Rohstahlkapazität von elf auf neun Millionen Tonnen pro Jahr. Dafür sollen zwei Hochöfen in Duisburg stillgelegt werden. Gleichzeitig sollen in den kommenden Jahren rund 5.000 Stellen abgebaut und weitere 6.000 Arbeitsplätze ausgelagert werden. Parallel dazu investiert Thyssenkrupp rund drei Milliarden Euro in eine wasserstoffbasierte Direktreduktionsanlage und treibt damit die Transformation hin zu einer klimafreundlicheren Stahlproduktion voran.
Zusätzlichen Gegenwind erhält die Stahlsparte derzeit durch die niedrigen Wasserstände auf dem Rhein. Die Rohstoffversorgung per Binnenschiff ist erschwert, weshalb die Hochofenproduktion vorsorglich leicht reduziert wurde. Die Kundenbelieferung läuft zwar weiter, allerdings steigen die Logistikkosten spürbar an.
Deutlich spannender sehen viele Anleger inzwischen die Entwicklung außerhalb des Stahlgeschäfts. Besonders die Marinesparte TKMS entwickelt sich immer mehr zum heimlichen Star des Konzerns. Der europäische Rüstungsboom, steigende Verteidigungsausgaben und die gut gefüllten Auftragsbücher sorgen für hervorragende Perspektiven. Thyssenkrupp plant deshalb die Verselbstständigung von TKMS und möchte den Bereich eigenständig am Kapitalmarkt positionieren. Die Mehrheit von 51 Prozent soll dabei zunächst im Konzern verbleiben.
Auch im Werkstoffhandel laufen die Vorbereitungen für den nächsten großen Schritt. Das margenstarke Handelsgeschäft wurde inzwischen in TK Excellence umbenannt und erwirtschaftet rund elf Milliarden Euro Umsatz. Der Aufsichtsrat plant, bis zu 49 Prozent der Anteile über einen Börsengang an Investoren zu verkaufen. Eine entsprechende Entscheidung wird in den kommenden Monaten erwartet.
Weniger erfreulich bleibt die Lage im Bereich Automotive Technology. Die anhaltende Schwäche der Automobilindustrie sorgt hier für sinkende Umsätze und Ergebnisse. Um die Sparte langfristig wettbewerbsfähig aufzustellen, werden derzeit mehrere Standorte überprüft und Stellen abgebaut. Rund 2.500 Arbeitsplätze sollen wegfallen, einzelne Werke stehen bereits vor der Schließung.
Ebenfalls interessant bleibt die Sparte Decarbon Technologies, in der Thyssenkrupp seine Wasserstoff- und Dekarbonisierungstechnologien bündelt. Eigentlich war auch hier ein Teilverkauf oder Börsengang geplant. Aufgrund der aktuell schwachen Nachfrage nach vielen grünen Technologien und der operativen Verluste wurde dieses Vorhaben jedoch zunächst auf Eis gelegt.
Für mich befindet sich Thyssenkrupp aktuell in einer außergewöhnlich spannenden Phase. Das klassische Stahlgeschäft bleibt zwar die größte Baustelle des Konzerns und wird noch einige Jahre Restrukturierungsarbeit erfordern. Gleichzeitig entstehen mit TKMS und TK Excellence zwei Bereiche, die am Kapitalmarkt deutlich höher bewertet werden könnten als bisher innerhalb des Gesamtkonzerns.
Die eigentliche Investmentstory liegt deshalb aus meiner Sicht weniger im Stahlgeschäft als in der möglichen Neubewertung der einzelnen Unternehmensteile. Sollte es dem Management gelingen, die geplanten Ausgliederungen erfolgreich umzusetzen und gleichzeitig die Stahlsparte zu stabilisieren, könnte der sogenannte Konglomeratsabschlag in den kommenden Jahren Stück für Stück verschwinden. Genau darin liegt aktuell die größte Fantasie für die Aktie.
Meine technische Einschätzung
Charttechnisch befindet sich die thyssenkrupp-Aktie seit mittlerweile mehr als einem Jahr in einer breiten Seitwärtsbewegung. Die zentrale Handelsspanne verläuft dabei grob zwischen 6,80 Euro auf der Unterseite und rund 11,80 bis 12,00 Euro auf der Oberseite. Genau in dieser Zone sortiert sich die Aktie derzeit neu, während die Anleger die laufende Transformation des Konzerns bewerten.
Aktuell verdichten sich jedoch die Anzeichen, dass die Bullen wieder etwas stärker das Ruder übernehmen könnten. Die Aktie notiert oberhalb ihrer wichtigen gleitenden Wochendurchschnitte und hat in den vergangenen Tagen mehrfach den Bereich um 12 Euro attackiert. Diese Zone besitzt eine besondere Bedeutung, da sie bereits seit dem Jahr 2021 immer wieder als hartnäckiger Widerstand fungiert hat.
Gelingt nun ein nachhaltiger Ausbruch über diese mehrjährige Hürde, würde sich das langfristige Chartbild deutlich aufhellen. In diesem Fall könnte die Aktie die seit Jahren bestehende Seitwärtsrange nach oben verlassen und eine neue Aufwärtsbewegung starten. Aus charttechnischer Sicht wären dann deutlich höhere Kurse denkbar. Als nächstes größeres Kursziel rückt in diesem Szenario der Bereich um 18 bis 20 Euro in den Fokus.
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Enthaltene Werte: DE0007500001,DE000TKMS001
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