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Die Anteile der Deutschen Telekom konnten sich zuletzt stark erholen und von ihren Mehrjahrestief absetzen. Doch jetzt könnte die Aktie vor neuen Problemen stehen.
Die Aktie der Deutschen Telekom ringt um einen klaren Trend
Hinter der Aktie der Deutschen Telekom liegt bislang ein durchwachsenes Börsenjahr. Zwar war die Aktie nach einem schwachen Schlussquartal im vergangenen Jahr stark in 2026 gestartet, doch die zwischenzeitlich ansehnlichen Gewinne fielen rasch dem Iran-Krieg zum Opfer, nachdem die stark gestiegenen Zins- und Inflationserwartungen Druck auf kapitalintensive Geschäftsmodelle ausübten.
Vom anhalten Verkaufsdruck haben sich die Anteile bis heute nicht erholen können, im Gegenteil beschleunigte sich der Abverkauf Anfang Juni sogar dramatisch, nachdem Gerüchte, das Raumfahrtunternehmen SpaceX könnte in die Mobilfunkbranche einsteigen, klassische Telekommunikationsanbieter und ihre Anteile belastet hatten. Außerdem sahen sich die Bonner der Gefahr ausgesetzt, SpaceX könnte die US-Tochter T-Mobile US kaufen und damit den eigenen Plänen, eine Holdinggesellschaft aus beiden Unternehmen zu bilden, zu vorkommen.
Von diesen Sorgen hat sich die Aktie in den zurückliegenden 3 Wochen frei machen können. Anstatt das in Form eines Mehrjahrestiefs liegende Verkaufssignal zu bestätigen, kam es zu einer V-Erholung und der Rückeroberung wichtiger Unterstützungen. Das ließ Anlegerinnen und Anleger auf ein glimpfliches Davonkommen hoffen - doch so einfach ist es nicht.

Dieses Mehrjahrestief hätte die Aktie härter treffen können
Bei der Deutschen-Telekom-Aktie liegen gegenwärtig zwei Trends vor. Der übergeordnete Trend ist eine mehrjährige Aufwärtsbewegung, gestartet vom während des Corona-Crashs erzielten Tiefpunkt aus. Dem steht ein mittelfristiger Abwärtstrend gegenüber, welcher seit dem bei knapp 36 Euro erzielten Mehrjahreshoch aus dem vergangenen Jahr vorliegt.
Im Januar und Februar dieses Jahres sah es noch so aus, als könnten die Käuferinnen und Käufer nach der langen Abwärtstrecke im letzten Jahr zurückschlagen. Doch ihnen ging angesichts erster bearisher Divergenzen in den technischen Indikatoren und einem überkauften RSI die Puste aus.
Seither liegt ein Abwärtstrendkanal mit einer Breite von etwa 4 Euro vor, der durch die anhaltend hohen Anleiherenditen verstetigt und durch die zwischenzeitlichen Disruptionssorgen beschleunigt wurde, sodass die Telekom-Aktie Anfang Juni auf den niedrigsten Stand seit knapp 2 Jahren gefallen war. Solche Mehrjahrestiefs stellen üblicherweise Verkaufssignale dar.
Das Verlassen des Abwärtstrendkanals ist noch nicht besiegelt
Da die Anteile zu diesem Zeitpunkt jedoch bereits überverkauft waren und im Trendstärkeindikator MACD bereits bullishe Divergenzen vorlagen, konnte sich dieses nicht durchsetzen. Außerdem war die Aktie bereits an der Unterkante des Trendkanals angekommen, was eine Gegenbewegung zusätzlich wahrscheinlich werden ließ. Genau diese hat jetzt stattgefunden.
Der bislang größte Erfolg der Käuferinnen und Käufer war die Rückeroberung der Unterstützungszone zwischen 26,00 und 26,50 Euro. In den vergangenen Tagen gelang sogar ein Ausbruchsversuch aus dem Abwärtstrendkanal. Genau dieser könnte jetzt aber an der 50-Tage-Linie scheitern, was zu neuen Verlusten führen dürfte. Bereits am Montag scheiterte der Versuch, die 50-Tage-Linie zu überwinden und eine Position oberhalb der Abwärtstrendlinie zu etablieren, an einem fortgeschrittenen Relative-Stärke-Index.
Ein Fehlversuch könnte der Aktie neue Schwierigkeiten einbringen
Dieser Fehlversuch wird am Dienstag direkt mit Verlusten quittiert. Das lässt darauf schließen, dass die Neigung der Marktteilnehmenden, die Erholungsgewinne zu realisieren, höher ist als die Risikoneigung zugunsten höherer Kurse. Sollte sich dieses Muster in den kommenden Tagen bestätigen und verstärken, dürfte der Trendstärkeindikator MACD seinen Vorzeichenwechsel verpassen und einen neuen Abwärtstrend der Aktie anzeigen.
Der wichtige Unterstützungsbereich zwischen 26,00 und 26,50 Euro stünde dann erneut zur Diskussion - und die Aktie möglicherweise vor einem neuen Rutsch an die Abwärtsunteroberkante, da der vorherrschende Trend so lange als Abwärtstrend zu interpretieren ist, wie die Aktie einerseits unterhalb der 200-Tage-Linie notiert und sich diese andererseits selbst in einer Abwärtsbewegung befindet.
Etwas besser wäre die technische Ausgangslage einzuschätzen, wenn die Anteile nachhaltig (also mindestens auf Wochenschlusskursbasis) über der 50-Tage-Linie notieren. Genau das ist aktuell aber in Zweifel zu ziehen - die Vorentscheidung könnte mit den am 06. August erwarteten Halbjahreszahlen fallen.
Fazit: Fundamental top, es sollte aber ein Boden abgewartet werden
Die Telekom-Aktie hat sich in den vergangenen 3 Wochen V-förmig von Mehrjahrestiefs erholen können. Das suggeriert neue Stärke, doch der Blick in den Chart zeigt, dass die Lage weiterhin fragil ist, solange der Ausbruch aus dem Abwärtstrendkanal nicht mit dem Überwinden der 50-Tage-Linie bestätigt ist. Auch übergeordnet zeigt der Trend eher nach unten als nach oben, sodass mit einem weiteren Kursrutsch zu rechnen ist.
Sobald die Anteile einen belastbaren Boden gefunden haben, befürworten die Fundamentaldaten den Kauf der Aktie. Die ist für 2026 mit einem KGVe von 13,4 und für 2027 von 11,8 bewertet. Beides liegt deutlich unter dem 10-Jahres-Mittel von 17,8 und deutet auf eine Unterbewertung hin. Gleichzeitig ist die Dividendenrendite mit voraussichtlich 4,2 und 4,7 Prozent attraktiv. Die fortgesetzte Schwäche der Aktie sollten Anlegerinnen und Anleger also eher als Chance, hier günstig einsteigen zu können, betrachten. Geduld sollte jedoch mit gebracht werden, vor allem wenn die Notenbanken gezwungen sein sollten, ihre Leitzinsen weiter anzuheben.
Gastautor: Max Gross
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