
© Foto: Zelch Csaba auf Pexels (Symbolbild)
SpaceX war zuletzt beim IPO lange der Star am Satellitenhimmel, doch selbst Elon Musks Rakete kam zuletzt unter ihren Ausgabepreis. Eutelsat dagegen bleibt wohl der ewige Zweite mit der ewigen Hoffnung. Der Umbau vom alten TV-Geschäft hin zu modernen LEO-Satelliten läuft, die Zahlen im Konnektivitätsgeschäft klettern kräftig. Nur der Aktienkurs will davon nichts wissen und bewegt sich munter Richtung Süden. Reicht das operative Momentum, um die Anleger doch noch zu überzeugen? Oder muss der Kurs erst noch tiefer fallen, bevor er wieder Fahrt aufnimmt? Ein Blick auf Zahlen, Chart und Nachrichtenlage gibt Antworten.
Zwischen Umbau und Ausverkauf
Eutelsat steckt mitten im großen Wandel. Weg von klassischen TV-Satelliten, hin zur Zukunft in der niedrigen Erdumlaufbahn. Und das klappt operativ richtig gut, denn der Umsatz im Connectivity-Bereich legte zuletzt um 65 Prozent zu. Auch die Verlustprognose für 2026 wurde leicht nach oben korrigiert, von minus 0,34 auf minus 0,30 Euro je Aktie. Die britische Regierung, die über ihre OneWeb-Beteiligung mit im Boot sitzt, musste dagegen einen Buchverlust von 340 Millionen Pfund verkraften. Parallel drängen Konkurrenten wie Starlink und Amazons Kuiper immer stärker in den Markt. Die Aktie selbst notiert derzeit um die 2,10 Euro, weit entfernt vom Jahreshoch bei über 4,60 Euro. Am 7. August stehen die Jahreszahlen an, dann zeigt sich, ob das LEO-Wachstum die hohen Investitionen wirklich rechtfertigt.
Großprojekte als Rückenwind
Trotz der Kursschwäche bleibt Eutelsat im Nachrichtenfluss präsent, und das durchaus positiv. Der milliardenschwere IRIS²-Vertrag mit der EU gilt als echter Meilenstein. Gemeinsam mit SES und Hispasat baut das Unternehmen an einem europäischen Satellitennetzwerk, das Eutelsat allein Erlöse von rund 6,5 Milliarden Euro bringen soll. Dazu kommen kleinere, aber strategisch wichtige Bausteine wie der Ausbau in Senegal mit 16 neuen Antennen oder neue Kooperationen in Botswana und Südafrika. Diese Schritte zeigen, dass Eutelsat im Wettbewerb um Wachstumsmärkte durchaus mithalten will, auch wenn Starlink mit inzwischen rund 110.000 Kunden allein in Großbritannien und sinkenden Hardwarepreisen kräftig Druck macht. Die Substanz für den Umbau scheint vorhanden zu sein, die Frage ist nur, wie lange die Börse noch so skeptisch bleibt und die Aktie weiter auf Talfahrt schickt.

Charttechnik
Der Chart macht wenig Hoffnung auf schnelle Besserung. Die Aktie rutschte zuletzt unter die wichtige Marke von 2,20 Euro und notiert unter ihrem 200-Tage-Durchschnitt von etwa 2,46 Euro. Auch der 50er SMA notiert deutlich oberhalb des Kurses. Der mittelfristige und langfristige Trend gilt somit seit Anfang Juni als negativ. Dazu kommt eine enorme Schwankungsbreite von über 60 Prozent, einer der höchsten Werte am Markt. Auf Wochensicht ging es zuletzt weiter bergab. Ein Hoffnungsschimmer bleibt aber, denn oft wenn der RSI im Bereich unter 30 war, gab es später einen heftigen Anstieg. Noch ist er zwar nicht unter 30, sondern mit 37 Punkten knapp darüber. D. h. es könnte aber auch vom Kurs noch weiter runtergehen. Möglicherweise muss erst eine 1 vor dem Komma stehen, bevor ein Rebound starten kann. Vereinzelt tauchen bereits bullische Signale in anderen Indikatoren auf, was ein erster kleiner Hinweis auf eine mögliche Bodenbildung sein könnte.
Was tun?
Fundamental sendet Eutelsat keine klaren Signale. Das Wachstum im LEO-Geschäft überzeugt, die Bewertung gilt vielen Analysten aber weiterhin als zu hoch, aber verglichen mit SpaceX dürfte da noch genügend Spielraum sein. Die Nachrichtenlage bleibt aktuell mit dem milliardenschweren IRIS²-Vertrag und neuen Partnerschaften in Afrika positiv. Charttechnisch dominiert dagegen aktuell noch die Schwäche, obwohl vereinzelt Tendenzen einer zarten Bodenbildung vorhanden sind, aber wahrscheinlich geht der Kurs dazu noch unter die 2 Euro-Marke. Jetzt heißt es wohl die Zahlen am 7. August abzuwarten. Neueinsteiger sollten sich in Geduld üben, denn ehe der Kurs nachhaltig dreht, dürfte er erst noch einmal auf Tauchstation gehen. Eventuell kann man breit gestaffelt unter 2 Euro erste Kauflimits legen.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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