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Während sich die Aktien von deutschen PKW-Herstellern weiter in der Kurskrise befinden, brechen die Anteile von Daimler Truck auf neue Mehrjahreshochs aus.
Deutsche PKWs pfui, Deutsche LKWs dagegen hui!
Deutsche Hersteller von Privatfahrzeugen befinden sich in der Krise. Egal ob BMW, Mercedes oder der Volkswagen-Konzern mit seinen vielen Töchtern - sie alle kämpfen mit schwachen Absatzzahlen, Marktanteilsverlusten auf dem wichtigen Wachstumsmarkt in China und einer hartnäckigen Margenschwäche sowie hohen Kosten sowohl in der Fertigung als auch bei der Entwicklung neuer Antriebstechnologien. Die Anteile spiegeln den schwachen Trend der Branche wider, gegenüber dem Jahreswechsel notieren alle im DAX notierten PWK-Hersteller mit einem Minus.
Deutlich anders stellt sich dagegen bei Nutzfahrzeugherstellern die Lage dar. Zwar kämpfen Daimler Truck und Traton ebenfalls mit hohen Kosten, die nicht zuletzt auch durch die US-Handelszölle entstanden sind. Die Absatzsorgen sind hier aber deutlich geringer, da die Nachfrage nach leistungsfähigen Transportlösungen weltweit steigt und sich die Frage nach der Antriebstechnologie (noch) nicht stellt, was die Entwicklungskosten überschaubar hält.
Daimler Truck bricht auf neue Mehrjahreshochs aus
Während die Aktien von BMW, Mercedes und VW zuletzt auf neue Mehrjahrestiefs gefallen sind, klettert Daimler Truck am Donnerstag auf ein neues Mehrjahreshoch und liefert somit ein starkes technisches Kaufsignal. Grund hierfür ist die am Mittwochabend vorgelegte Prognoseanhebung für das laufende Geschäftsjahr. Die begründete das Unternehmen in seiner Pressemitteilung vor allem mit den "aktualisierten US-Zollregelungen" und der Erwartung höherer Verkaufszahlen in den USA.
Insgesamt rechnet Daimler Truck mit bis zu 10.000 zusätzlich verkauften Einheiten und einem Gesamtabsatz von 340.000 bis 370.000 Fahrzeugen. Dementsprechend sollen auch die Erlöse um bis zu eine Milliarden Euro höher ausfallen. Im Industriegeschäft erwartet der Konzern jetzt 43 bis 47 Milliarden Euro, daraus soll ein bereinigtes EBIT von 3,6 bis 4,1 Milliarden Euro erzielt werden. Das liegt um satte 400 Millionen Euro über der bisherigen Prognose.
Prognoseanhebung vorläufige Quartalszahlen überzeugen
Zeitgleich mit seiner Prognoseanhebung gab Daimler Truck erste Einblicke in seine Geschäftsentwicklung im abgelaufenen Quartal. Der vorläufige Umsatz lag mit 11,42 Milliarden Euro etwas unter der Erwartung von 11,55 Milliarden Euro, auch das EBIT fiel mit 838 Millionen Euro statt der erwarteten 878 Millionen Euro nicht ganz so gut aus, wie von Investoren erhofft. Dafür konnten aber die freien Cashflows überzeugen, welche mit 1,76 Milliarden Euro um fast das Dreifache über den Schätzungen von 611 Millionen Euro lagen.
Das ließ Anlegerinnen und Anleger über die geringfügig schwächeren Erlöse und Gewinne hinweg sehen, zumal sich nach der Prognoseanhebung ja absehen lässt, dass mindestens die beiden kommenden Quartal die bisherigen Erwartungen eher übertreffen dürften. Jedenfalls legte die Aktie noch im nachbörslichen Handel am Mittwochabend zu, wenngleich die finalen (und beglaubigten) Zahlen erst am 07. August vorgestellt werden sollen.

Die Aktie dürfte jetzt neue Allzeithochs ins Visier nehmen
Die am Mittwochabend gewährten Kursgewinne konnte Daimler Truck am Donnerstag trotz eines schwachen Gesamtmarktumfelds, das nach der Kostenexplosion bei Alphabet und einem weiteren Anstieg der Ölpreise zu Gewinnmitnahmen tendierte, weiter ausbauen. Die Aktie legte zeitweise fast 5 Prozent zu, grenzte ihre Kursgewinne bis zum Mittag aber auf rund 3,5 Prozent ein. Für zusätzlichen Schwung sorgte, dass auch Mitbewerber Traton eine verbesserte Prognose vorgelegt hatte, womit die Branche von Investoren insgesamt aussichtsreicher bewertet wird.
Das Timing für die Kursgewinne könnte mit Blick auf den Chart der Aktie nicht besser sein, denn mit dem Anstieg vom Donnerstag gelingt der Aktie der Ausbruch über den Widerstand bei 45 Euro und damit auf den höchsten Stand seit mehr als 2 Jahren. Solche Mehrjahreshochs gelten in der technischen Analyse als starke Kaufsignale. Da der Relative-Stärke-Index (RSI) den jüngst verschärften Aufwärtstrend mit einem eigenen Anstieg begleitet hat, ist von der Nachhaltigkeit des Ausbruchs auszugehen. Das könnte mittelfristig für neue Allzeithochs sorgen. Zur Unterseite ist die Aktie bei 40 Euro gut abgesichert.
Fazit: Auch bei der Bewertung ist noch Luft nach oben!
Mit Blick auf die Unternehmensbewertung steht für 2026 auf Basis der noch nicht an die angehobene Unternehmensprognose angepassten Analystenschätzungen ein KGVe von 13,6 zu Buche. Das liegt deutlich über dem 5-Jahres-Durchschnitt von 10,5. Allerdings ist bereits für 2027 mit 9,9 ein KGV unter der historischen Norm erwartet, das spricht für eine gute Ausgangslage für weitere Kursgewinne. Auch die Cashflow-Rendite dürfte nach den hohen Mittelzuflüssen im abgelaufenen Quartal höher sein als derzeit veranschlagt. Das bedeutet größere finanzielle Spielräume bei Aktienrückkäufen und der Dividende, die für 2026 voraussichtlich bei 4,2 Prozent liegen soll.
Insgesamt ergibt sich daraus ein für Anlegerinnen und Anleger hochattraktives Profil aus charttechnischem Ausbruch und moderater Unternehmensbewertung. Wer Fahrzeuge "Made in Germany" im Depot haben will, sollte daher nicht auf BMW, Mercedes, VW oder Porsche, sondern auf Daimler Truck (und auch auf das noch etwas günstiger bewertete Traton) schauen!
Gastautor: Max Gross
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