
© Foto: Juan Davila auf Unsplash.
Anlegerinnen und Anleger hoffen auf ein baldiges Ende der Korrektur der AMD-Aktie, dabei hat die noch nicht mal richtig angefangen. Das Abwärtspotenzial ist jetzt gewaltig.
Crash in der Halbleiter-Branche: AMD dürfte jetzt als nächstes an der Reihe sein!
Halbleiteraktien befinden sich inzwischen seit Wochen im freien Fall. Angeführt von Speicherchip-Herstellern wie Micron und SanDisk hat der vielbeachtete Branchenindex Philadelphia Semiconductor gegenüber seinem Allzeithoch bei rund 14.655 Punkten bereits 21,1 Prozent an Wert verloren - die Schwelle für einen technischen Bärenmarkt liegt bei 20 Prozent. Auch in dieser Woche stehen Chip-Aktien unter Druck, vor allem in Südkorea und Japan brechen die Kurse angeführt von Samsung, SK Hynix und Advantest inzwischen massiv ein. Die Leitindizes KOSPI und Nikkei sind inzwischen im Crash-Modus.
Einige Halbleiter-Werte hat es bislang weniger hart getroffen. Dazu gehört beispielsweise AMD, das sich dank neuer Großaufträge und einem positiven Analystensentiment über Wasser halten könnte. Doch die Einschläge kommen auch hier näher, denn die Aktie tritt schon seit Wochen auf der Stelle - jetzt droht sie zu kippen. Einerseits ist die Unternehmensbewertung unvernünftig hoch und fundamental kaum zu rechtfertigen, während im Chart erste klare Verkaufssignale vorliegen. Wer hier auf ein schnelles Ende der Korrektur hofft, könnte bitter enttäuscht werden, denn die Verluste dürften gerade erst begonnen haben.

Das Ende des Aufwärtstrends kommt jetzt rasant näher
Übergeordnet handelt die AMD-Aktie in einem mehrjährigen Aufwärtstrend. Der verläuft allerdings hochvolatil mit explosionsartigen Anstiegen, wie zuletzt seit Ende März, und zwischenzeitlich crashartigen Korrekturen, wie sie jetzt als nächstes zu erwarten ist. Dieses Jahr war bislang von hohen Kursgewinnen geprägt. Für eine erhebliche Aufwärtstrendverschärfung sorgte aus technischer Perspektive der Ausbruch über den Widerstandsbereich zwischen 245 und 255 US-Dollar. Diese Dynamik wurde zunächst durch die technischen Indikatoren RSI und MACD bestätigt.
Diese liefern jedoch bereits seit Ende April bearishe Divergenzen, wodurch die darauffolgenden Rekordnotierungen technisch nicht bestätigt werden konnten. Im Gegenteil halten die Abwärtstrends von RSI und MACD bis heute an. Genau das dürfte die im Chart bereits zu beobachtende Top-Bildung (Rounding Top) jetzt beschleunigen und schließlich in einen heftigen Abverkauf münden. Ein erstes Verkaufssignal hat die AMD-Aktie zum Wochenauftakt bereits geliefert, nachdem sie unter die 50-Tage-Linie gefallen ist.
Im Trendstärkeindikator MACD droht angesichts seines fortgesetzten Abwärtstrends das nächste Verkaufssignal, denn dieser notiert nur noch knapp oberhalb seiner Nulllinie. Ein Kurs darunter würde einen (neuen) Abwärtstrend der Aktie anzeigen - eine Dynamik, die zum Bruch des gegenwärtig letzten verbliebenen Unterstützungsbereichs der Aktie zwischen 440 und 460 US-Dollar führen dürfte. Der schwache, aber noch nicht überverkaufte RSI liefert ein weiteres Indiz dafür, dass der Test dieses Supports jetzt wahrscheinlicher ist als ein Rebound zurück über die 50-Tage-Linie.
Die Aktie könnte jetzt sogar um die Hälfte einbrechen
Sollte der Unterstützungsbereich zwischen 440 und 460 US-Dollar nachhaltig, also mindestens auf Wochenschlusskursbasis, unterschritten werden, wird die zuvor steile Rallye der AMD-Aktie gleichzeitig ihr Verhängnis, denn es mangelt dann an weiteren Auffangzonen - es drohen Kursverluste bis zur 200-Tage-Linie, die aktuell bei rund 306 US-Dollar verläuft. Das entspricht gegenüber dem Schlusskurs vom Montag einem Abwärtspotenzial von 38 Prozent. Sollte das alte Ausbruchsniveau angelaufen werden, könnte AMD in den kommenden Wochen und Monaten sogar vor einer Halbierung stehen.
Kursverluste in dieser Größenordnung werden vor allem durch den RSI auf höheren Zeitebenen unterstützt. Auf Wochenbasis ermittelt erreicht der RSI zeitweise 85 Punkte, auf Monatsbasis standen 83,5 Zähler zu Buche - das zeigt eine stark überkaufte Aktie, deren Konsolidierung entsprechend viel Zeit in Anspruch nehmen dürfte. Selbst nach den jüngsten Verlusten liegt der Monats-RSI mit rund 72 Punkten noch im fortgeschrittenen Bereich. Das zeigt, wie groß der Korrekturbedarf der Aktie aus technischer Perspektive ist.
Abwenden ließe sich das gegenwärtig äußerst bearishe Setup durch einen Ausbruch über 550 US-Dollar, da dieser mit der Rückeroberung der 50-Tage-Linie (und damit einem Kaufsignal) sowie einem Anstieg aus dem Rounding Top einherginge. Mit Blick auf die inzwischen enorm schwachen technischen Indikatoren und deren hartnäckiger Abwärtstrends ist das allerdings als äußerst unwahrscheinliches Szenario zu bewerten. Die Risiken (und Chancen) liegen jetzt eindeutig auf der Unterseite.
Fazit: Auch die Bewertung spricht jetzt für eine äußerst schmerzhafte Korrektur
Nicht nur technisch, sondern auch fundamental hatte AMD zuletzt Extrem-Niveaus erreicht. Doch auch nach den jüngsten Anfangsverlusten von rund 15 Prozent gegenüber den bei 585 US-Dollar markierten Allzeithochs ist die Unternehmensbewertung noch immer außergewöhnlich hoch und kaum zu rechtfertigen. Für 2026 steht bereits ein KGVe von 66,4 zu Buche, für 2026 ist AMD mit dem 36-Fachen seiner erwarteten Gewinne bewertet - das liegt nicht nur deutlich über den Gewinnvielfachen von Nvidia, sondern auch sowohl über dem Branchenmittel von 24 als auch dem 5-Jahres-Durchschnitt von rund 39.
Die hohen KGVs sind außerdem nicht durch ein günstiges Kurs-Gewinnwachstumsverhältnis gerechtfertigt. Das liegt für die kommenden 12 Monate bei 1,22 und damit über dem Wert von 1, der in der Fundamentalanalyse als günstig gilt. Auch zahlreichen weiteren Bewertungskennzahlen handelt AMD inzwischen um mehrere Hundert (!) Prozent gegenüber dem Branchendurchschnitt sowie im hohen zweistelligen Prozentbereich über der eigenen historischen Norm. Das verlangt jetzt auch nach einer Bewertungskorrektur.
Daraus ergibt sich auf mittlere Frist ein für die Aktie mutmaßlich toxischer Cocktail aus technisch eindeutigen Trendwendetendenzen einerseits und einer Unternehmensbewertung, die meilenweit über ihr Ziel hinausgeschossen ist andererseits. Zwar ist AMD mit Produkten der EPYX- sowie der Instinct-Reihe an der Seite von Nvidia in den Mittelpunkt des KI-Booms vorgerückt, doch das dürfte das Papier jetzt nicht vor empfindlichen Verlusten schützen. Anlegerinnen und Anleger sollten ihre Gewinne sichern, solange es sich noch lohnt.
Gastautor: Max Gross
Haftungsausschluss/Disclaimer
Die hier angebotenen Artikel dienen ausschließlich der Information und stellen keine Kauf- bzw. Verkaufsempfehlungen dar. Sie sind weder explizit noch implizit als Zusicherung einer bestimmten Kursentwicklung der genannten Finanzinstrumente oder als Handlungsaufforderung zu verstehen. Der Erwerb von Wertpapieren birgt Risiken, die zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals und - je nach Art des Investments - sogar zu darüber hinausgehenden Verpflichtungen, bspw. Nachschusspflichten, führen können. Die Informationen ersetzen keine auf die individuellen Bedürfnisse ausgerichtete fachkundige Anlageberatung. Eine Haftung oder Garantie für die Aktualität, Richtigkeit, Angemessenheit und Vollständigkeit der zur Verfügung gestellten Informationen sowie für Vermögensschäden wird weder ausdrücklich noch stillschweigend übernommen.
Finanznachrichten.de hat auf die veröffentlichten Inhalte keinerlei Einfluss. Finanznachrichten.de hat bis zur Veröffentlichung der Artikel keine Kenntnis über Inhalt und Gegenstand der Artikel. Die Veröffentlichungen erfolgen durch externe Autoren bzw. Datenlieferanten. Infolgedessen können die Inhalte der Artikel auch nicht von Anlageinteressen von Finanznachrichten.de und/oder seinen Mitarbeitern oder Organen bestimmt sein.




