
© Foto: Javier Martínez auf Unsplash (Symbolbild)
Ein angeschlagener Videospielhändler greift nach einem der größten Online-Marktplätze der Welt. GameStop hat sich eBay in den Kopf gesetzt und die GME-Aktionäre spielen mit. Sie haben grünes Licht für Kapitalmaßnahmen gegeben, die einen Milliarden-Deal erst ermöglichen sollen. Doch wie soll die kleinere GameStop den viel größeren eBay-Konzern finanzieren? Warum wehrt sich eBay so vehement? Und kann die Aktie erneut, wie schon einmal geschehen, die halbe Finanzwelt aufschrecken?
GameStop erhöht den Einsatz
GameStop, der einstige Liebling der Reddit-Community, will eBay kaufen. Nicht etwa ein kleines Start-up, sondern den globalen Online-Marktplatz mit einem Wert von über 50 Milliarden US-Dollar. Während die meisten Experten das Vorhaben längst für gescheitert erklärten, legt GameStop-Chef Ryan Cohen jetzt eine Schippe drauf. Aus einer US-Börsenmitteilung geht hervor, dass der Spielehändler seinen Anteil an eBay inzwischen auf 9,8 Prozent aufgestockt hat. Das entspricht 43,4 Millionen Aktien. Bereits im Mai hatte GameStop ein erstes Angebot vorgelegt und zwar für 125 US-Dollar pro Aktie - insgesamt rund 56 Milliarden US-Dollar. Die Hälfte in bar, die andere Hälfte in GameStop-Aktien. Der eBay-Verwaltungsrat winkte ab. Das Angebot sei weder glaubwürdig noch attraktiv. Besonders an der Finanzierung gab es Zweifel. Schließlich ist GameStop selbst deutlich kleiner als eBay. Doch Cohen gibt nicht auf. Er will die Filialen von GameStop als Logistikstandorte nutzen und eBay gemeinsam zum Amazon-Konkurrenten aufbauen. Dafür ist er sogar bereit, 500 Millionen US-Dollar aus seinem Privatvermögen beizusteuern. Zudem sicherte sich GameStop auf der Hauptversammlung die Zustimmung der Aktionäre für eine Erhöhung der Aktienanzahl auf 2,5 Milliarden.
Ebays Widerstand und die Finanzierungsfrage
Die Zurückhaltung von eBay ist nachvollziehbar. Der Online-Marktplatz ist ein etabliertes Unternehmen mit recht stabilen Erträgen. Aus Sicht des Vorstands hat GameStop nicht das Format für einen solchen Deal. Analysten zweifeln weniger am Kaufpreis, sondern am strategischen Nutzen für eBay. Dennoch: GameStop hat zuletzt positive Zahlen geliefert. Im ersten Quartal 2026 erzielte das Unternehmen einen Rekordgewinn von fast 390 Millionen US-Dollar, was mehr als das Achtfache des Vorjahresergebnisses ist. Auch der Umsatz stieg deutlich auf 835 Millionen US-Dollar. Trotzdem bleibt die Skepsis groß. Das Übernahmeangebot ist finanziell nicht zu 100 Prozent wasserdicht. Eine Kreditzusage über 20 Milliarden US-Dollar ist an die Bedingung geknüpft, dass das fusionierte Unternehmen ein Investment-Grade-Rating erhält.

Charttechnik
Die GameStop-Aktie bewegt sich seit Monaten hartnäckig seitwärts bei etwa 21 bis 22 US-Dollar. Eine klassische Konsolidierungsphase, bei der der Markt auf ein klares Signal wartet. Ein entscheidender Faktor könnte der Ausbruch über den Abwärtstrend bei rund 24 US-Dollar sein. Gelingt dieser Durchbruch, könnte das neue Käufer anziehen. Dann könnte die Aktie auch recht zügig in Richtung 30 US-Dollar marschieren. Der RSI jedenfalls liegt bei recht neutralen 46 Punkten und lässt Bewegungen in beide Richtungen zu.
Was tun?
GameStop hat operativ zugelegt und kann solide Gewinne vorweisen. Die Umsätze wachsen, die Kosten sind unter Kontrolle. Das ist positiv und gibt dem Unternehmen mehr Spielraum. Allerdings bleiben die ganz großen Finanzierungsfragen für eine Übernahme von eBay offen. Die fundamentale Entwicklung ist gemischt. Auf der einen Seite stehen starke Quartalszahlen, auf der anderen die immensen Risiken eines Milliarden-Deals. Die Charttechnik zeigt aktuell keine klaren Signale. Der Kurs bewegt sich in einer noch engen Spanne. Wer investieren möchte, sollte sich der hohen Risiken bewusst sein. Wer Sicherheit bevorzugt, sollte sich zurückhalten und die weitere Entwicklung abwarten. Besser beobachten was sich tut, aber jedenfalls nicht überstürzt handeln. GameStop bleibt ein Zockerpapier mit hohen Chancen, aber auch erheblichen Risiken.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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