
© Foto: Ismail Enes Ayhan auf Unsplash (Symbolbild)
KI-Boom hin oder her, bei Super Micro Computer will die Kursfreude einfach nicht so richtig aufkommen. Dabei stehen die Zeichen "eigentlich" gut. Ein Auftragsberg von über 60 Milliarden US-Dollar, neue Rack-Serien für die nächste Chip-Generation und Microsoft, das mit Milliarden-Investitionen die ganze Branche mitzieht. Trotzdem liegt die meilenweit von dem 52-Wochenhoch entfernt. Über 50 Prozent sogar. Woran liegt das, und lohnt sich jetzt ein zweiter Blick? Wir schauen uns die Zahlen, den Chart und die jüngsten Nachrichten genauer an.
Rechenzentrums-Boom
Operativ läuft es bei "eigentlich" rund. Da ist wieder das Wort "eigentlich". Der Umsatz kletterte im letzten Quartal um mehr als 120 Prozent, der Gewinn je Aktie lag deutlich über dem Vorjahreswert und mit den neuen KI-Racks, die auf kommende Nvidia-Chips wie Vera Rubin und GB300 zugeschnitten sind, positioniert sich das Unternehmen mitten im Rechenzentrums-Boom. Die Produktion wurde massiv hochgefahren, monatlich sollen bis zu 3.000 Racks vom Band laufen. Auch die Bruttomarge soll sich Richtung 15 bis 17 Prozent verbessern. Das ist ein spürbarer Sprung gegenüber früheren Werten. Doch genau hier hakt es beim Vertrauen, denn Ermittlungen rund um mögliche illegale Exporte nach Taiwan, ein hoher Kundenkonzentrationsanteil und offene Fragen zur internen Finanzkontrolle sorgen weiter für Bauchschmerzen bei vielen Anlegern. Ein Blick auf die Bewertung zeigt, wie gespalten das Bild derzeit ist. Auf Basis der Gewinne wirkt die Aktie mit einem KGV von rund 15 sogar günstig, deutlich unter dem Branchenschnitt. Bullische Stimmen verweisen auf das margenstarke Baukastensystem für Rechenzentren, das Kunden schneller ans Ziel bringt und langfristig die Profitabilität stützen soll. Kritische Stimmen wiederum erinnern daran, dass ein einzelner Großkunde für einen erheblichen Teil des Umsatzes verantwortlich ist, was die Abhängigkeit erhöht. Diese Gemengelage aus Chance und Risiko erklärt, warum der Markt bislang so zurückhaltend reagiert, trotz starker operativer Entwicklung.

Charttechnik
Schaut man sich den Chart an, wird schnell klar: Ruhig kennt Super Micro nicht, ruhig ist hier gar nichts. Vom 52-Wochenhoch bei knapp 62 US-Dollar ging es auf ein Tief von unter 20 US-Dollar, aktuell pendelt die Aktie um die 28 US-Dollar. Spannend ist der Verlauf in der Zone zwischen 20 und 30 US-Dollar. Genau dort könnte sich ein Boden bilden, von dem aus ein Rebound Richtung 40 bis 50 US-Dollar möglich wäre. Bestätigt sich diese Marke als stabile Unterstützung, hätten Käufer ein gutes Chance-Risiko-Verhältnis vor sich. Spannend ist auch, dass der 50er SMA schon bald den 200er SMA von unten nach oben schneiden könnte. Dazu müsste der Kurs wahrscheinlich über die 30 US-Dollar-Marke klettern, um das "Golden Cross" entstehen zu lassen.
Was tun?
Super Micro Computer bleibt ein Fall für Anleger mit starken und guten Nerven, die hochspekulativ eingestellt sind. Die operativen Zahlen und der Rekordauftragsbestand sprechen für sich, das KGV wirkt im Branchenvergleich sogar günstig. Gleichzeitig bleiben aber die rechtlichen Fragen rund um die Geschichte mit Taiwan und die Kundenkonzentration echte Risikofaktoren, die den Kurs weiter belasten können. Wer bereit ist, diese Unsicherheit auszuhalten, könnte die Zone zwischen 20 und 30 US-Dollar als möglichen Einstiegsbereich im Auge behalten. Bis zu den Quartalszahlen am 11. August dürfte es aber, wie fast immer bei Super Micro, volatil bleiben. Ein Fall einer Aktie zum Beobachten, aber auch einer, bei dem etwas Geduld nicht schaden kann.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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