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COLUMBUS/DÜSSELDORF (dpa-AFX) - Der Stahlhändler Klöckner & Co steht vor der Übernahme durch Worthington Steel . Der US-Konzern bietet elf Euro je Aktie für das Düsseldorfer Unternehmen. Großaktionär Friedhelm Loh unterstütze das Gebot und habe sich verpflichtet, die gesamte Beteiligung von 41,5 Prozent der Klöckner-Aktien anzudienen, teilte Worthington am späten Donnerstagabend in Columbus und Düsseldorf mit. Der Unternehmenswert inklusive Schulden des im SDax notierten Konzerns werde bei der Transaktion mit 2,4 Milliarden US-Dollar (knapp 2,1 Mrd Euro) beziffert. An der Börse kamen die Übernahmepläne sehr gut an.
Für die Aktie ging es am Freitagmorgen um rund 28 Prozent kräftig nach oben. Seit Jahresbeginn hat sie gut 36 Prozent an Wert gewonnen, in den vergangenen zwölf Monaten sogar 145 Prozent. Klöckner hatte bereits im Dezember mitgeteilt, dass die beiden Konzerne über einen möglichen Zusammenschluss verhandeln. Der Kurs der Aktie zog damals schon sprunghaft an.
Analyst Christian Cohrs von Warburg Research hält die Übernahmeofferte für attraktiv. Der von Worthington Steel gebotenen Preis liege fast doppelt so hoch wie der eigenständige faire Wert des Stahlhändlers von 6,15 Euro. Die Offerte ermögliche es Investoren, den wahren Wert des Unternehmens zu realisieren und dabei die Risiken zu umgehen, die bei dem Stahlhändler vorhanden wären.
Experte Thomas Schulte-Vorwick von Metzler erachtete die Übernahme als strategisch sinnvoll wegen eines hohen Potenzials an operativen Einspareffekten.
Worthington möchte mindestens 65 Prozent der Anteile von Klöckner & Co und rechnet mit einem Abschluss der Transaktion in der zweiten Jahreshälfte. Klöckner soll nach dem Zusammenschluss weiter eigenständig bleiben mit Sitz in Düsseldorf. Worthington Steel will im Aufsichtsrat als "strategischer Partner" vertreten sein. Entlassungen oder Schließungen von Standorten seien nicht geplant, hieß es weiter.
Das US-Unternehmen will zudem nach erfolgreicher Übernahme die Möglichkeit eines Ausschlusses der Minderheitsaktionäre (Squeeze-Out), eines Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrags sowie eines Delistings der Aktien von der Frankfurter Wertpapierbörse prüfen.
Separat teilte Klöckner zudem mit, dass der Vorstand entschieden habe, die Becker Gruppe zu verkaufen. Das Unternehmen sei eine der führenden Multi-Metals-Plattformen im Flachstahlsektor in Europa. Finanzielle Details wurden nicht genannt. Metzler-Experte Schulte-Vorwick hält den Verkauf für vernünftig.
Die Marktkapitalisierung von Klöckner betrug vor der Vorlage des Angebots rund 854 Millionen Euro, die von Worthington Steel lag bei etwas mehr als 1,9 Milliarden Dollar (rund 1,6 Mrd Euro).
Klöckner & Co wurde 1906 in Duisburg gegründet und beschäftigte zuletzt knapp 6.600 Mitarbeiter. 2024 hatte das Unternehmen 6,6 Milliarden Euro umgesetzt und damit trotz eines höheren Absatzes wegen sinkender Stahlpreise etwas weniger als ein Jahr davor. Das operative Ergebnis sank ebenfalls. Für 2025 rechnet das Unternehmen mit einem leichten Plus beim Absatz und Umsatz sowie einem deutlich höheren operativen Gewinn./err/men/jha/




