
© Foto: SAP SE / Stephan Daub
Die SAP-Aktie hat in den letzten Monaten ordentlich Federn gelassen. Fast ein Viertel Kursverlust seit Jahresbeginn, ein neues Zwei-Jahres-Tief, und die Stimmung an den Märkten drückt zusätzlich. Aber wer genauer hinschaut, entdeckt ein Bild, das gar nicht so düster ist, wie es auf den ersten Blick wirkt. Der Softwareriese aus Walldorf hat gerade einen langen Rechtsstreit beigelegt, schiebt ein milliardenschweres Rückkaufprogramm an und stellt das Geschäftsmodell konsequent auf KI-Basis um. Die Frage lautet also nicht, ob SAP Probleme hat, sondern ob diese Probleme bereits mehr als eingepreist sind. Und da wird es spannend.
Rechtsstreit, Rückkäufe und KI-Revolution
SAP hat eines seiner größten juristischen Sorgenkinder endlich vom Hals. Der jahrelange Streit mit dem Datenbankspezialisten Teradata wurde Mitte Februar mit einem Vergleich über 480 Millionen US-Dollar abgeschlossen. Ein Geschworenenprozess, der eigentlich Ende März stattfinden sollte, ist damit vom Tisch. Diese Unsicherheit hatte die Aktie seit Monaten belastet. Doch kaum ist eine Front geschlossen, öffnet sich die nächste. Eine US-Anwaltskanzlei prüft derzeit eine Sammelklage wegen möglichen Wertpapierbetrugs. Hintergrund ist ein Kurseinbruch im Herbst 2024, nachdem bekannt wurde, dass das US-Justizministerium seit 2022 wegen des Verdachts ermittelt, SAP habe Behörden systematisch zu hohe Preise in Rechnung gestellt. Wie das ausgeht, ist offen. Unabhängig davon treibt SAP-Chef Christian Klein einen fundamentalen Wandel voran. Das klassische Abomodell soll ab Juli 2026 durch eine verbrauchsbasierte Abrechnung für KI-Dienste ersetzt werden. Gleichzeitig baut Klein eine neue Einheit auf, die KI-Lösungen gemeinsam mit Kunden entwickeln soll. Die Rüstungssparte zeigt derzeit das stärkste Wachstum im gesamten Konzern. Christian Klein machte das kürzlich öffentlich und verwies auf weltweit steigende Verteidigungsbudgets. SAP liefert dabei Software und KI-gestützte Systeme, von der Logistik bis zur Synchronisation von Daten auf Marineschiffen im Offlinemodus.

Charttechnik
SAP notiert derzeit deutlich unterhalb des 200-Tage-Durchschnitts, der bei 217,82 Euro liegt. Der aktuelle Kurs bewegt sich um die 150 Euro, ein Niveau, das zuletzt Anfang 2024 erreicht wurde. Der RSI ist auf rund 15 gefallen. Das ist tief, sehr tief. Werte unter 30 gelten als überverkauft, unter 20 sprechen Techniker schon von einer extremen Lage. Bei einem RSI von 15 ist das Papier technisch so stark ausgebombt, dass Gegenbewegungen fast zwangsläufig kommen, die Frage ist nur wann. Im Bereich um 140 Euro besteht eine markante Unterstützungszone. Dort dürfte sich zeigen, ob die Käufer zurückkehren. Ein Rebound von dort aus wäre charttechnisch überfällig. Sollte der Gesamtmarkt jedoch weiter abrutschen, die geopolitischen Spannungen und Ölpreisschocks belasten aktuell breite Teile der Börse, könnte die SAP-Aktie in einem Extremszenario auch die 120-Euro-Marke anlaufen. Bei einer Beruhigung des Marktumfelds und ersten positiven Signalen aus der KI-Strategie ist ein Kursanstieg in Richtung 180 bis 200 Euro realistisch. Mehrere Analysten, darunter die Bank of America, sehen den Titel bei diesen Niveaus als klar unterbewertet an.
Was tun?
Wer jetzt einfach verkauft, tut es wahrscheinlich zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt. Das sagen nicht nur die Chartindikatoren, sondern auch die Fundamentaldaten. SAP liefert operativ stabil. Die Umsatzkonsensschätzungen für 2026 liegen bei rund 40,6 Milliarden Euro, etwa zehn Prozent mehr als im Vorjahr. Der Gewinn ist zuletzt deutlich gestiegen. Das Unternehmen kauft massiv eigene Aktien zurück, bis zu zehn Milliarden Euro sind für das laufende Programm eingeplant, und sendet damit ein klares Signal. Das Management hält die eigene Aktie für zu günstig. Die KI-Ängste der Anleger sind real, aber womöglich übertrieben. Der RSI von 15 und die technische Unterstützungszone um 140 Euro sprechen für eine antizyklische Einstiegschance. Wer es defensiver angehen will, wartet auf die Quartalszahlen im April, und kauft dann, wenn sich die Trendwende bestätigt.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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