
© Foto: KI-generiertes Symbolbild (ChatGPT).
Mit einem Plus von fast 40 Prozent ist Infineon in diesem Jahr hinter Siemens Energy die bislang zweiterfolgreichste Aktie im DAX. Dafür gibt es gute Gründe!
Siemens Energy legt vor, doch Infineon holt schnell auf
Unter deutschen Basiswerten ist Siemens Energy mit einem Plus von fast 50 Prozent seit dem Jahreswechsel der unangefochtene Anlegerliebling, doch Halbleiterhersteller Infineon holt dank einer starken Rallye in den vergangenen Wochen rasch auf. Nach einem Plus von 5,5 Prozent am Donnerstagvormittag ist der Abstand auf nur noch 12 Prozentpunkte zusammengeschmolzen. Entscheidend hierfür war eine 35-Prozent-Rallye im vergangenen Monaten. Die durch den Iran-Krieg hervorgerufene Aktienmarktkrise hat das Unternehmen damit im Unterschied zum deutschen Leitindex DAX hinter sich gelassen.

Für die anhaltend starke Performance gibt es gute Gründe. Dazu gehört neben dem allgemein starken Branchentrend in der Halbleiterindustrie die Angebotskrise bei Speicherchips. Zwar stellt Infineon nicht den von Rechenzentren für KI-Anwendungen gefragten HBM-Speicher her, doch da sich Hersteller wie Micron, Samsung und SK Hynix aus anderen Nischen zurückgezogen haben, um vor allem die Nachfrage von Rechenzentren bedienen zu können, sinkt das Angebot bei anderen Speicherprodukten. Das sorgt für Preissetzungsmacht und höhere Margen.
Mitbewerber sorgen mit starken Zahlen für Ansteckungseffekte
Wie sehr sich die Dynamik bei Halbleiterprodukten abseits von KI-Chips zuletzt verbessert hat, demonstrierte am Mittwochabend Mitbewerber Texas Instruments mit seinen Geschäftszahlen zum abgelaufenen Quartal. Der Spezialist für analoge Halbleiter konnte seine Erlöse um 18,7 Prozent auf 4,83 Milliarden US-Dollar steigern und die Erwartungen damit um 300 Millionen US-Dollar übertreffen. Auch der Gewinn und der Ausblick für das kommende Quartal lag deutlich über den Erwartungen der Experten. Die Aktie legte noch in der US-Nachbörse zweistellig zu. Das führt zu Ansteckungseffekten.
Für solche sorgte am Donnerstagmorgen auch STMicroelectronics. Dem europäischen Halbleiterkonzern gelang ebenfalls ein starker Jahresauftakt mit einem Umsatzplus von 23 Prozent auf 3,1 Milliarden US-Dollar. Die Erträge wechselten nach einem Minus im Vorjahresquartal das Vorzeichen und erreichten ein Plus von 37 Millionen US-Dollar. Außerdem präsentierte das Management eine Guidance deutlich über den Erwartungen. Auch STMicroelectronics legte daraufhin deutlich zu und sorgte für die Ausweitung der Gewinnserie bei Infineon.

Aktie mit starkem Aufwärtstrend, aber Überhitzung zeichnet sich ab
Die notiert nach einem Anstieg um weitere knapp 6 Prozent auf einem neuen Mehrjahreshoch. Damit ist der Ausbruch über das alte Hoch bei 48 Euro geglückt und eine Anschlussrallye bereits in Gange. Die kann sich auf eine in mehrerer Hinsicht starke Erholung stützen. Einerseits konnte Infineon die 200-Tage-Linie mit einer U-Konsolidierung und damit technisch überzeugend behaupten. Andererseits legen die technischen Indikatoren RSI und MACD mit der Aktie zu. Das verbürgt sich für die Nachhaltigkeit des gegenwärtigen Aufwärtstrends.
Trotzdem sind Anlegerinnen und Anleger inzwischen zu wachsender Vorsicht angehalten. Ein für Ausbruchsrallyes gewöhnlicher Umfang ist ein Plus von 10 bis 15 Prozent. Das hat Infineon bereits abgerufen. Außerdem ist der RSI auf Tageskursbasis bereits auf 75 Punkte und damit in den Überkauft-Bereich geklettert. Auch auf Wochenbasis ist der Trend angesichts eines RSI-Wertes von 71,3 Zählern bereits fortgeschritten. Damit wird eine Korrektur der Anteile immer wahrscheinlicher - das gilt erst recht vor dem Hintergrund, dass der Branchenindex Philadelphia Semiconductor mit RSI-Werten jenseits der 80 deutliche Warnsignale sendet, die zu einer branchenweiten Konsolidierung führen könnten.
Fazit: Viel Rückenwind, aber nicht mehr ohne Risiko
Mit Blick auf die Unternehmensbewertung steht für 2026 bereits ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 39,3 zu Buche. Das liegt deutlich über dem 10-Jahres-Mittel von 33,4 sowie über dem Branchendurchschnitt von 24,2. Der Aufschlag wird jedoch durch ein preisgünstiges Kurs-Gewinnverhältnis (PEG) von 0,6 gerechtfertigt. Gleichwohl bieten einzelne Halbleiterwerte, darunter sogar Nvidia, noch niedrigere Bewertungsvielfache.
Das deutet gemeinsam mit dem zunehmend überkauften Chart der Aktie daraufhin, dass Infineon zeitnah vor einer Korrektur stehen dürfte. Trotz starken Rückenwinds sollten Anlegerinnen und Anleger der Rallye daher jetzt nicht mehr hinterherjagen und erste Gewinne sichern. Wer einsteigen möchte, sollte sich unbedingt gedulden und für eine höhere Sicherheitsmarge erst nach einer deutlichen Korrektur einsteigen.
Gastautor: Max Gross

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