
© Foto: yousef alfuhigi auf Unsplash
Wer in letzter Zeit Lufthansa-Aktionär ist, braucht starke Nerven und hatte zuletzt wenig Grund zur Freude. Der Konzern steckt mitten in einer der härtesten Phasen seit der Corona-Pandemie. Kerosinpreise auf Rekordhöhe, ein monatelanger Tarifstreit, gestrichene Tausende Flüge und jetzt auch noch ein unangenehmes Urteil aus Luxemburg, das alles trifft gleichzeitig auf einen Aktienkurs, der seit Jahresbeginn mehr als 15 Prozent verloren hat. Dazu kommt noch, dass Lufthansa tief in die Servicekasse greift und ab Mai den kostenlosen Kabinenkoffer im günstigsten Tarif streicht. Was steckt dahinter? Und was bedeutet das für Anleger, die auf eine Erholung hoffen?
Kein Koffer, kein Kurs, Lufthansa spart an allen Ecken
Jahrzehntelang war Handgepäck bei Lufthansa selbstverständlich. Damit ist jetzt Schluss. Ab dem 19. Mai können Passagiere auf Kurz- und Mittelstrecken Tickets im neuen "Economy Basic"-Tarif buchen, ohne Kabinenkoffer. Wer seinen Trolley mit in die Kabine nehmen will, zahlt drauf. Mindestens 15 Euro extra. Kostenlos bleibt nur ein kleiner persönlicher Gegenstand, maximal 40 mal 30 mal 15 Zentimeter groß, also etwa eine Laptop-Tasche oder ein Rucksack. Der Schritt klingt hart, ist aber schon ein wenig strategisch gedacht, denn die Lufthansa will das Tarifgefüge in der Economy Class in vier Stufen aufteilen. Der neue Einstiegstarif soll preislich noch unter dem bisherigen Economy Light liegen. Alle sieben Gruppenairlines ziehen mit, von SWISS über Austrian Airlines bis hin zu Air Dolomiti. Buchbar ist der Tarif allerdings nur über die Direktkanäle des Konzerns. Wer also über ein Reisebüro bucht, kann es nicht machen. Parallel dazu kommt Bewegung ins Programm: Bis Oktober 2026 streicht Lufthansa rund 20.000 Kurzstreckenflüge. Hintergrund sind explodierende Kerosinkosten, der Ölpreis liegt aktuell bei über 110 US-Dollar pro Barrel, sowie anhaltende Triebwerksengpässe, die die Flottenmodernisierung bremsen. Ebenso erwägt das Management, bis zu 40 weitere Flugzeuge vorübergehend aus dem Betrieb zu nehmen. Das entspricht rund 5 Prozent der Gesamtflotte.

Charttechnik
Lufthansa notiert aktuell bei rund 7,15 Euro. Das sind rund 25 Prozent unter dem Februarhoch von knapp über 9,50 Euro. Seit Jahresbeginn hat die Aktie ebenfalls deutlich an Wert verloren. Der RSI-Indikator liegt bei 31 Punkten. Das könnte schon bald charttechnisch ein deutliches Signal für einen überverkauften Zustand werden, sofern der Kurs noch ein wenig nachgibt, denn Werte unter 30 gelten als überverkauft. Der Kurs liegt ebenso unter beiden wichtigen SMAs (50er und 200er) was technisch als bearishes Zeichen gilt. Ein unterstützendes Niveau ist charttechnisch derzeit schwerlich auszumachen. Die nächste wirklich relevante Marke liegt bei 7 Euro, bzw. etwas tiefer. Wer auf eine schnelle Erholung setzt, könnte enttäuscht werden, denn die Probleme sind wohl nicht alle so zügig aus der Welt zu schaffen.
Was tun?
Die Quartalszahlen für das erste Quartal 2026 kommen am 6. Mai. Dann wird es vielleicht ein wenig klarer, wie stark die Streikkosten und der Ölpreis das Ergebnis tatsächlich belastet haben. Analysten von Bernstein Research und DZ Bank sehen die Aktie neutral, kein klares Kaufsignal, aber auch keine Panikempfehlung. Fundamental steht die Lufthansa aktuell auf wackligen Beinen. Das Hedging gegen hohe Kerosinpreise läuft aus, der Tarifstreit ist noch nicht gelöst, und das EuGH-Urteil zur Corona-Staatshilfe hat zwar keine direkten finanziellen Folgen, wirft aber einen Schatten auf das Verhältnis zur EU-Kommission. Auf der anderen Seite laufen das Frachtgeschäft und die Wartungssparte besser als der Passagierbereich, und der RSI mit einem Wert von um die 30 könnte eine technische Gegenbewegung begünstigen. Neueinsteiger tun vielleicht gut daran, zunächst weiter an der Seitenlinie zu bleiben und die Ergebnisentwicklung zu beobachten.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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