
© Foto: KI-generiertes Symbolbild (ChatGPT).
Die Anteile des Rückversicherers fallen am Donnerstag auf ein neues Jahrestiefs. Der schon zuvor angeschlagene Chart der Aktie trübt sich damit weiter ein.
Münchner Rück: Dividendenabschlag könnte zum Problem werden
Seit rund einem Jahr handelt die Aktie des weltgrößten Rückversicherers in einem Abwärtstrend. Damit hat sich die Münchner Rück nach einer in den Jahren zuvor sehr starken Performance von der allgemein guten Gesamtmarktentwicklung abgekoppelt, obwohl die anhaltend hohen Anleiherenditen die Geschäftsentwicklung eigentlich begünstigen sollten.
Auch am Donnerstag steht die Aktie unter Druck, sie verliert rund 4 Prozent und landet damit am Ende des deutschen Gesamtmarktindex DAX. Der Grund hierfür ist aus Anlegerperspektive eigentlich ein erfreulicher, denn bei den vermeintlichen Verlusten handelt es sich um den Dividendenabschlag, nachdem am Donnerstag die Hauptversammlung getagt hat.

Doch mit Blick auf den Chart der Aktie kommt der Dividendenabschlag zur Unzeit, denn dieser sorgt für ein neues 52-Wochen-Tief und damit ein technisches Verkaufssignal, nachdem der Kursverlauf zuletzt ohnehin schon schwach war. Nimmt der Abwärtstrend jetzt erst so richtig an Fahrt auf und könnte das auch die Aktie der Allianz betreffen?

Zähes Ringen zwischen Bullen und Bären
Übergeordnet befindet sich die Aktie der Münchner Rück in einem mehrjährigen Aufwärtstrend. Vor allem nach dem Bärenmarkt 2022 gewann dieser deutlich an Fahrt und sorgte ausgehend von einem Tief bei 205,15 Euro für eine Verdreifachung der Anteile. Seit dem Allzeithoch bei 615,50 Euro vor rund einem Jahr handelt das Papier jedoch in einem Abwärtstrend.
Hierfür sind aus technischer Perspektive bearishe Divergenzen und ein zeitweise überkaufter Zustand der Aktie verantwortlich. In den vergangenen 7 Monaten bestimmte dann eine Seitwärtsrange zwischen etwa 515 und 565 Euro das Kursgeschehen.
Die gleitenden Durchschnitte lieferten weder als Unterstützungen noch als Widerstände Orientierung und wurden häufig über- oder unterschritten. Auch das Death Cross im September blieb als Verkaufssignal ohne Wirkung.
Dividendenabschlag sorgt für gleich zwei Verkaufssignale
In den vergangenen Wochen konnte sich die Aktie mit dem Gesamtmarkt zunächst erholen. Der Anstieg über die 50- und 200-Tage-Linie sowie über die obere Range-Begrenzung machten zunächst Mut. Doch nach dem Erreichen überkaufter Zustände setzten erneut Gewinnmitnahmen ein, welche die Fortschritte wieder zunichtemachten. Die Chance auf ein Golden Cross wurde dabei vertan. Auch die kurzfristige Aufwärtstrendlinie wurde aufgegeben.
Nach dem Dividendenabschlag handelt die Aktie auf dem niedrigsten Stand seit dem Zoll-Crash im vergangenen Jahr. Das stellt als 52-Wochen-Tief ein technisches Verkaufssignal dar. Dieses trifft auf einen Trendstärkeindikator MACD, der unter die Nulllinie gefallen ist und damit einen neuen Abwärtstrend anzeigt. Der RSI ist zwar im überverkauften Bereich angelangt, was mit der wachsenden Wahrscheinlichkeit eines Rebounds einhergeht, der ist aber noch längst nicht zwingend, da der RSI auf Wochen- und Monatsbasis noch unauffällig notiert.
Der Weg nach unten ist jetzt frei
Die Kombination aus unterschrittenen Durchschnittslinien, dem Ausbruch aus der Trading-Range nach unten, Verkaufssignalen im Chart und in den technischen Indikatoren macht wahrscheinlich, dass die Aktie der Münchner jetzt vor anhaltendem Verkaufsdruck steht. Im Bereich der runden Marke von 500 Euro befindet sich eine weitere, auch psychologische Unterstützung. Darunter wird es jedoch dünn, sodass ein Rücksetzer in den nächsten größeren Supportbereich zwischen 450 und 470 Euro eingeplant werden sollte.
Zur Oberseite würde erst eine Rückkehr in die Seitwärtsrange für erste Entspannung sorgen. Prozyklische Kaufsignale lägen oberhalb der gleitenden Durchschnitte wieder vor. Endgültig aus der Gefahrenzone wäre die Aktie aber erst oberhalb von 580 Euro wieder, wofür der Chart aktuell jedoch keine Anhaltspunkte liefert. Anlegerinnen und Anleger sollten daher erst einmal an der Seitenlinie verweilen.
Fazit: Belastungen durch Großschäden zu erwarten
Das gilt auch mit Blick auf die Aktie der Allianz, wo nach einer weiteren Top-Bildung oberhalb von 390 Euro nun ein Doppel-Top und damit eine nachhaltige Trendwende droht. Hierfür gibt es aus fundamentaler Perspektive einen gemeinsamen Nenner.
Auf beide Versicherer könnten im Jahresverlauf erhebliche Belastungen durch Großschäden zukommen, da es sich bei 2026 aller Voraussicht nach um ein Super-El-Nino-Jahr handeln dürfte, in welchem mit einem verstärkten Auftreten von Extremwetterereignissen zu rechnen ist.
Damit könnte die Sonderkonjunktur für Versicherer der vergangenen Jahre, bestehend aus hohen Anleiherenditen, stabilen Prämieneinnahmen und geringen Schadensbelastungen, vorüber sein. Die Branche ist aktuell kein Kauf mehr.
Gastautor: Max Gross

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