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Energieversorger galten lange als Inbegriff defensiver Aktien: verlässliche Dividenden, robuste Geschäftsmodelle, geringe Kursschwankungen. Doch dieses Bild greift zunehmend zu kurz. Energiewende, Netzausbau und volatile Strommärkte verändern die Branche grundlegend - und damit auch die Perspektive für Anleger.
Zu den Unternehmen, die diesen Wandel aktiv mitgestalten wollen, zählt die EVN AG (ISIN: AT0000741053). Der niederösterreichische Energie- und Infrastrukturdienstleister hat kürzlich seine Halbjahreszahlen für das Geschäftsjahr 2025/26 vorgelegt und dabei ein gutes Ergebnis präsentiert. Was steckt hinter den Zahlen, und warum könnte das Unternehmen auch über die aktuelle Berichtsperiode hinaus interessant bleiben?
Gute Entwicklung im ersten Halbjahr
Die EVN konnte ihre Umsatzerlöse im ersten Halbjahr 2025/26 auf 1.787,0 Millionen Euro (H1 2024/25: 1.731,1 Millionen Euro) steigern. Gleichzeitig verbesserte sich das operative Ergebnis (EBITDA) um 7,9 Prozent auf 553,3 Millionen Euro. Das Konzernergebnis legte sogar um 24,7 Prozent auf 312,4 Millionen Euro zu.
Begünstigt wurde die Entwicklung unter anderem durch regulatorische Preiseffekte im Netzgeschäft sowie positive Einmaleffekte. Gleichzeitig zeigte sich, dass das Unternehmen auch in einem herausfordernden Marktumfeld gute Ergebnisse erzielen kann.
Die Stromerzeugung der EVN lag im Berichtszeitraum mit 1.502 GWh um 6,7 Prozent unter dem Vorjahreswert. Die erneuerbare Erzeugung blieb dagegen mit 1.209 GWh nahezu stabil und lag nur geringfügig unter dem Vergleichswert des Vorjahres. Das schwächere Wind- und Wasserdargebot konnte durch neue Kapazitäten im Bereich Windkraft und Photovoltaik weitgehend ausgeglichen werden.
Für das Gesamtjahr bestätigt das Management seine Prognose und erwartet ein Konzernergebnis in einer Bandbreite von rund 430 bis 480 Millionen Euro.
Mehr als ein klassischer Energieversorger
Die bestätigte Jahresprognose unterstreicht, dass die EVN trotz schwächerer Erzeugungsbedingungen und eines weiterhin anspruchsvollen Marktumfelds stabil unterwegs ist. Dabei zeigt sich auch die Bedeutung der bereits breiten Aufstellung des Konzerns: Neben regulierten Netzen und dem Versorgungsgeschäft zählen erneuerbare Erzeugung, Speicherlösungen und Infrastrukturinvestitionen längst zu zentralen Bausteinen der weiteren Entwicklung.
Bis 2030 plant die EVN Investitionen von rund einer Milliarde Euro pro Jahr. Der Schwerpunkt liegt dabei auf dem weiteren Ausbau jener Bereiche, die für die Energie- und Infrastrukturversorgung der Zukunft entscheidend sind - von Stromnetzen und erneuerbarer Erzeugung über Batteriespeicher und E-Mobilität bis hin zur Trinkwasserversorgung.
Bei der erneuerbaren Stromerzeugung verfügt die EVN bereits über eine bedeutende Basis. Aktuell stehen Windkraftkapazitäten von rund 561 Megawatt sowie Photovoltaikanlagen mit einer Leistung von 133 Megawatt-Peak zur Verfügung. Weitere Projekte befinden sich bereits in Umsetzung.
Batteriespeicher und Netze als zentrale Zukunftsthemen
Eine Schlüsselrolle spielen dabei Batteriespeicher und leistungsfähige Stromnetze. Da Wind- und Solaranlagen wetterabhängig Strom erzeugen, wird die Abstimmung von Angebot und Nachfrage zunehmend anspruchsvoller. Batteriespeicher können hier dazu beitragen, Stromüberschüsse zwischenzuspeichern, Schwankungen auszugleichen und die Stabilität der Stromversorgung zu gewährleisten.
Die EVN arbeitet derzeit an mehreren Großspeicherprojekten, darunter Anlagen in Niederösterreich in Theiß mit 70 MW sowie in Dürnrohr mit 16 MW Leistung. Parallel dazu investiert das Unternehmen massiv in die Modernisierung und den Ausbau seiner Netzinfrastruktur. Gerade leistungsfähige Stromnetze gelten als zentrale Voraussetzung für den weiteren Ausbau erneuerbarer Energien und die Elektrifizierung von Mobilität und Industrie.
Auch Wasser und E-Mobilität gewinnen an Bedeutung
Neben dem Energiegeschäft verfolgt die EVN weitere Infrastrukturprojekte. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Trinkwasserversorgung in Niederösterreich. Derzeit arbeitet das Unternehmen an einer neuen überregionalen Transportleitung, die künftig verschiedene Versorgungsräume miteinander verbinden und damit die Versorgungssicherheit weiter stärken soll.
Auch im Bereich E-Mobilität erweitert die EVN ihre Aktivitäten. Im laufenden Geschäftsjahr wurde eine Kooperation mit AVIA Österreich gestartet, die den Ausbau von Schnellladestationen für Elektrofahrzeuge vorantreiben soll. Ab 2026 sollen an AVIA-Tankstellen österreichweit zusätzliche Ladepunkte entstehen.
Damit zeigt sich, dass die EVN ihre Rolle zunehmend breiter versteht: als Energieversorger, aber auch als Infrastrukturunternehmen, das unterschiedliche Bereiche der künftigen Versorgung miteinander verbindet.
Südosteuropa als zusätzlicher Wachstumspfeiler
Für zusätzliche Diversifikation sorgt das Auslandsgeschäft: Neben dem Heimatmarkt Österreich ist die EVN auch in Bulgarien und Nordmazedonien aktiv.
Insbesondere das regulierte Netzgeschäft in diesen Märkten trägt zur breiten Aufstellung des Konzerns bei. Gleichzeitig eröffnet die internationale Präsenz zusätzliche Möglichkeiten, von langfristigen Infrastrukturinvestitionen und dem wachsenden Energiebedarf in der Region zu profitieren.
Was sagen die Analysten?
Auch auf Analystenseite wird die Entwicklung der EVN überwiegend positiv bewertet. So nennen ODDO BHF sowie Kepler Cheuvreux ein Kursziel von 33 Euro. Ausgehend vom Aktienkurs von 28,45 Euro am 10. Juni 2026 entspricht dies einem Potenzial von rund 16 Prozent.
Noch optimistischer zeigt sich die Erste Group, die ein Kursziel von 36,00 Euro veröffentlicht hat. Daraus ergibt sich rechnerisch ein Potenzial von knapp 25 Prozent.
Analysteneinschätzungen stellen naturgemäß keine Garantie für die tatsächliche Kursentwicklung dar. Sie zeigen jedoch, dass Marktbeobachter die langfristigen Perspektiven des Unternehmens derzeit überwiegend konstruktiv einschätzen.
Fazit
Die Halbjahreszahlen bestätigen den Kurs der EVN: Das Unternehmen profitiert von seiner diversifizierten Aufstellung und setzt weiter auf zentrale Zukunftsfelder wie Netze, erneuerbare Energien, Batteriespeicher und Infrastruktur.
Mit Investitionen von rund einer Milliarde Euro pro Jahr verfolgt die EVN eine langfristig angelegte Wachstumsstrategie, die weit über das klassische Energiegeschäft hinausgeht. Für Anleger, die sich mit Energie- und Infrastrukturwerten beschäftigen, bleibt das Unternehmen damit ein interessanter Vertreter einer Branche, die sich derzeit grundlegend verändert.
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EVN
ISIN: AT0000741053
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