
© Foto: Wim van't Einde
Die Anteile von Energieversorger und DAX-Schwergewicht RWE stehen am Montag hoch im Kurs. Die Aktie ist nach bekräftigten Kaufempfehlungen gefragt.
RWE-Aktie: Kaufempfehlungen treiben den Kurs zum Wochenauftakt an
In einem zum Wochenauftakt noch zurückhaltenden Marktumfeld - die Auseinandersetzungen im Bemühen um ein Friedensabkommen zwischen den USA und Iran sorgen unter Anlegerinnen und Anlegern nicht für Kauflaune - konnte sich die Aktie von Energieversorger RWE mit Kursgewinnen von bis zu 1,6 Prozent positiv von den übrigen Werten im deutschen Leitindex DAX abheben. In einer charttechnisch schwierigen Ausgangslage gelingt den Anteilen damit eine erste Erholung.
Für die Kursgewinne gibt es gewichtige Gründe, denn mit Jefferies und Goldman Sachs haben sich gleich zwei US-Analystenhäuser positiv zur Aktie und ihren weiteren Aussichten geäußert. Beide haben sowohl ihre Kaufempfehlungen als auch ihre Kursziele bekräftigt. Während Jefferies-Analyst Ahmed Farman den fairen Wert bei 63 Euro sieht, taxiert sein Kollege Alberto Gandolfi von Goldman Sachs den wahren Wert der Aktie auf 68,50 Euro.
Er sieht die geplante Aufstockung der Anteile am Netzbetreiber Amprion als potenziellen "Game Changer". Ihm gefällt, dass die Übernahme günstiger als bei in der Vergangenheit geschlossenen Deals wäre. Eine "Vollkonsolidierung" wie beim spanischen Mitbewerber Iberdrola könnte nicht nur für neues Wachstum, sondern auch niedrigere Kapitalkosten sorgen. Gandolfi gilt laut TipRanks, einem Bewertungsportal für Wall-Street-Analystinnen und -Analysten, als sehr zuverlässiger Experte. Auch Farman ist überdurchschnittlich treffsicher, was den positiven Analystenkommentaren zusätzliche Wucht verleiht.

Langfristig starke Entwicklung, kurzfristig jedoch Schwierigkeiten
Auf positive Impulse ist die RWE-Aktie dringend angewiesen. Denn wenngleich der Chart auf den ersten Blick stark aussieht, lagen zuletzt eine Reihe von Schwächesignalen mit Topbildungsgefahr vor. Zum einen sind die Anteile unter ihre 50-Tages-Linie gefallen, womit ein erstes Verkaufssignal generiert wurde. Auch die Aufwärtstrendlinie seit dem September letzten Jahres wurde unterschritten. Das könnte künftig zu einem gemächlicheren Tempo führen, nachdem sich RWE trotz der jüngsten Verluste im Vergleich zum Vorjahr um fast 60 Prozent gesteigert hat.
Ebenfalls nicht gefallen können den Käuferinnen und Käufern die bearishen Divergenzen in den technischen Indikatoren, welche die Trendwendegefahren erhöhen. Bislang konnten sie aber trotz erster Verkaufssignale die Marke um 55 Euro verteidigen, was auf Kaufinteresse in diesem Preisbereich schließen lässt. Umso gewichtiger könnte jedoch ein Unterschreiten dieser Unterstützung werden, das zu einem Rücksetzer bis 50 Euro und damit in Richtung der 200-Tage-Linie führen könnte. Viel höher sind die Abwärtsrisiken aus technischer Perspektive vorerst aber nicht einschätzen.
Neuen Rückenwind dürfte das Papier hingegen oberhalb der 50-Tage-Linie, vor allem aber jenseits der 60-Euro-Marke erhalten, welcher das gegenwärtig leicht bearishe Setup neutralisieren und zu neuen Mehrjahreshochs führen könnte. Noch sind aber erstmal die Bären am Drücker, wie auch der unter Nulllinie liegende und damit einen Abwärtstrend anzeigende Trendstärkeindikator MACD anzeigt.
Fazit: Erst den Rücksetzer abwarten und dann zuschlagen
Höheren Kursen könnte trotz positiven Analystenstimmen jedoch die Unternehmensbewertung im Wege stehen. RWE ist für 2026 bereits mit einem KGV von fast 22 bewertet, dieses soll 2027 dann auf 18 sinken, was jedoch noch immer über dem 10-Jahres-Mittel von 16 läge. Trotz insgesamt guter Aussichten fehlt es RWE aber an der hohen Dynamik, die US-Versorger angesichts des KI-Booms gegenwärtig zeigen. Die Aktie kann das überdurchschnittlich hohe KGV also nicht wirklich mit einem günstigen Kurs-Gewinnwachstumsverhältnis rechtfertigen.
Das für Anlegerinnen und Anleger empfehlenswerte Vorgehen ist in der aktuellen Lage daher, einen Rücksetzer bis 50 Euro in Kauf zu nehmen und dort nachzukaufen, weil die Aktie hier mit der 200-Tage-Linie über eine sehr starke Unterstützung verfügt und die Unternehmensbewertung gleichzeitig dem historischen Durchschnitt entsprechen würde, sodass sich das von den jüngsten Analystenstimmen hervorgehobene Potenzial voll entfalten könnte.
Gastautor: Max Gross

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