FRANKFURT (dpa-AFX) - Pläne des Neobrokers Trade Republic sorgen am Donnerstag in der Broker-Branche für viel Aufsehen. Vor allem traf es die Titel von Lang & Schwarz (L&S), die zuletzt aus Sorge vor einer endenden Partnerschaft mit dem aufstrebenden Unternehmen um mehr als 19 Prozent absackten.
Bei dem Online-Broker Flatexdegiro fiel die Reaktion deutlich milder aus, obwohl das Unternehmen nebst der Online-Bank Comdirect in Medienberichten als angegriffener Konkurrent genannt wurde. Nach fast zwei Prozent Minus in den Anfangsminuten waren die Flatex-Titel im MDax zuletzt mit fast drei Prozent ins Plus gedreht. Finanzwerte folgten generell dem starken Börsenumfeld, in dem der Dax am Nachmittag Rekordniveau erreichte. Die Aktien der Comdirect-Mutter Commerzbank legten zuletzt um 2,3 Prozent zu.
Trade Republic teilte mit, eine vollständig neue Handelstechnologie einzuführen. Im "Manager Magazin" war die Rede von einem "Frontalangriff" auf etablierte Broker. Da Firmen wie Trade Republic sich aufgrund geänderter Gesetze künftig nicht mehr dafür bezahlen lassen dürfen, dass sie ihre Kundenorders an einen bestimmten Handelsplatz weiterleiten, wolle das Unternehmen den Tradingprozess komplett neu aufsetzen, hieß es.
Lang & Schwarz ist direkt davon betroffen, da dem Unternehmen in diesem Zusammenhang wohl weiter geleitete Abwicklungsaufträge entgehen. Bis zuletzt wickelte Trade Republic die Kundenorders über die Plattform von Lang & Schwarz ab. Dafür fließende Provisionszahlungen sind künftig jedoch verboten, und so will Trade Republic jetzt selbst der Gegenpart bei Kundenorders sein.
Lang & Schwarz teilte daraufhin mit, dass sich nach derzeitiger Einschätzung die Entscheidung von Trade Republic, den Orderflow anders zu verteilen, auf das Geschäft und das Konzernergebnis auswirken wird. Auf Jahresbasis rechnet Lang & Schwarz auf Konzernebene nunmehr mit einem leichten bis allenfalls moderaten Rückgang des Ergebnisses aus der Handelstätigkeit gegenüber dem Vorjahr.
Trade Republic will über einen neuen Bestpreis-Algorithmus künftig automatisch den günstigsten Kaufkurs und den besten Verkaufskurs ermitteln. Orders werden automatisch zum Bestpreis unter allen relevanten Börsen ausgeführt. Trade Republic nimmt die Aktien einen kurzen Moment ins eigene Buch und gibt diese dann an den Kunden weiter. Mit der neuen Plattform sollen Kunden über Direktpreis gezielt aus 30 Börsen wählen können, darunter Xetra, Euronext und Nasdaq./tih/la/he
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