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Der Wettlauf um kritische Rohstoffe tritt in eine neue Phase ein. Während Europa jahrelang vor allem über die Verringerung seiner Abhängigkeit von China diskutierte, werden die Pläne nun konkreter. Mit Brasilien rückt eines der rohstoffreichsten Länder der Welt in den Mittelpunkt der europäischen Strategie. EU-Kommissar Jozef Síkela besuchte in der vergangenen Woche mehrere Projekte im Land und machte deutlich: Brüssel will nicht nur Seltene Erden einkaufen, sondern gemeinsam mit Brasilien eine komplette Wertschöpfungskette aufbauen. Davon könnten sowohl etablierte Produzenten als auch fortgeschrittene Entwickler profitieren.
Europa setzt auf Brasilien statt auf reine Rohstoffimporte
Die Europäische Union verfolgt mit ihrer Global-Gateway-Initiative das Ziel, Lieferketten für kritische Rohstoffe außerhalb Chinas aufzubauen. Anders als frühere Rohstoffpartnerschaften soll Brasilien dabei nicht lediglich Erz exportieren. Stattdessen stehen Investitionen in Raffinerien, Verarbeitungstechnologien und lokale Industrie im Mittelpunkt.
EU-Kommissar Jozef Síkela brachte diese Strategie während seines Brasilien-Besuchs klar auf den Punkt. Europa wolle Brasilien dabei unterstützen, mehr Wertschöpfung im eigenen Land zu schaffen. Langfristige Abnahmeverträge könnten dabei mit Investitionen in Technologie, Ausbildung und Verarbeitung kombiniert werden - ein Modell, das sich deutlich von klassischen Rohstoffabkommen unterscheidet.
Für Brasilien kommt diese Entwicklung zum richtigen Zeitpunkt. Das Land verfügt über die zweitgrößten bekannten Reserven an Seltenen Erden weltweit und verfolgt selbst die Strategie, internationale Investoren nur dann stärker einzubinden, wenn ein Teil der industriellen Wertschöpfung im Land verbleibt.
Vier Projekte stehen bereits auf Europas Radar
Wie ernst es Brüssel mit dieser Strategie ist, zeigt ein Bericht von BNamericas. Demnach beobachten europäische Institutionen derzeit vier brasilianische Projekte besonders genau, die künftig Zugang zu europäischen Finanzierungsinstrumenten erhalten könnten.
Besonders großes Interesse gilt dabei dem Colossus-Projekt von Viridis Mining & Minerals (ISIN: AU0000190829). Das australische Unternehmen entwickelt in Minas Gerais eines der vielversprechendsten Seltene-Erden-Projekte Brasiliens und plant Investitionen von rund 360 Millionen US-Dollar in eine kommerzielle Produktionsanlage.
Erst vor wenigen Wochen eröffnete Viridis sein Forschungs- und Verarbeitungszentrum für Seltene Erden. Die Pilotanlage soll nicht nur die endgültige Machbarkeitsstudie unterstützen, sondern auch die Produktion erster Mengen von Mixed Rare Earth Carbonate (MREC) ermöglichen und laufende Offtake-Verhandlungen beschleunigen.
Der Besuch von EU-Kommissar Síkela an genau diesem Standort unterstreicht die strategische Bedeutung des Projekts. Zusätzlich sorgt eine Absichtserklärung mit dem belgischen Chemiekonzern Solvay für Aufmerksamkeit. Nach Angaben des Unternehmens befinden sich die Gespräche über eine weitergehende Zusammenarbeit bereits in einem fortgeschrittenen Stadium.
Neben Viridis stehen laut BNamericas auch Brazilian Nickel mit dem Piauí-Nickelprojekt, die Nickel- und Kobaltraffinerie von Jervois Global sowie AMG Critical Materials auf der europäischen Beobachtungsliste. Gemeinsam spiegeln diese Projekte die Strategie Europas wider, komplette Lieferketten für verschiedene kritische Mineralien aufzubauen.
Nicht nur Viridis könnte profitieren
Viridis gehört derzeit zweifellos zu den sichtbarsten Gewinnern der europäischen Initiative. Gleichzeitig dürfte das Unternehmen kaum der einzige Profiteur bleiben.
Denn Brüssel sucht nicht lediglich einzelne Minen, sondern Projekte, die langfristig westliche Lieferketten absichern können. Genau hier rücken weitere Entwickler in Brasilien zunehmend in den Fokus.
Ein Unternehmen, dessen Strategie bemerkenswert gut zu den aktuellen europäischen Prioritäten passt, ist St George Mining (ISIN: AU000000SGQ8). Zwar gehört das Unternehmen bislang nicht zu den vier von BNamericas genannten Projekten, doch viele Merkmale des Araxá-Projekts decken sich mit den Anforderungen, die Europa derzeit formuliert.
Im brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais entwickelt St George eines der größten Seltene-Erden- und Niobium-Projekte Südamerikas. Die aktuelle JORC-Ressource umfasst 70,91 Millionen Tonnen mit durchschnittlich 4,06% TREO sowie bedeutenden Niobium-Gehalten. Besonders attraktiv erscheint dabei die Kombination zweier strategischer Rohstoffe, die sowohl für Elektromobilität als auch für Hochleistungswerkstoffe, Energie- und Verteidigungsanwendungen benötigt werden.
Europa setzt auf Verarbeitung - genau dort investiert St George
Noch interessanter als die Ressourcengröße ist jedoch die Entwicklungsstrategie.
Während Europa immer wieder betont, künftig lokale Verarbeitung und Raffinierung fördern zu wollen, arbeitet St George bereits seit Monaten genau an diesem Ansatz. Das Unternehmen hat Partnerschaften entlang der gesamten Wertschöpfungskette aufgebaut - darunter mit dem spanischen Engineering-Konzern Técnicas Reunidas, der die Eignung seiner RARETECH-Technologie für Araxá untersucht. Gleichzeitig bestehen Kooperationen mit Boston Metal im Bereich der Niobium-Verarbeitung sowie weitere Initiativen in Brasilien und den USA, um den Weg von der Mine bis zum Endprodukt zu verkürzen.
Auch operativ schreitet die Entwicklung voran. Erste metallurgische Testarbeiten bestätigten die Möglichkeit, sowohl marktfähige Niobium-Konzentrate als auch Seltene-Erden-Produkte aus dem Erz zu gewinnen. In den kommenden Monaten stehen Pilotanlagen, weitere Prozessoptimierungen sowie umfangreiche Entwicklungsstudien auf dem Programm.
Hinzu kommt eine deutlich verbesserte Finanzierungssituation. Mitte Juni schloss St George eine Kapitalerhöhung über 60 Millionen australische Dollar ab. Größter Teilnehmer war Hancock Prospecting von Gina Rinehart, das seine Beteiligung auf rund 10,5% erhöhte. Einschließlich vorhandener Mittel verfügt das Unternehmen nun über mehr als 100 Millionen australische Dollar, um Bohrprogramme, Pilotanlagen und die technische Entwicklung des Araxá-Projekts zu beschleunigen.
Der Wettbewerb um Brasiliens Rohstoffe hat erst begonnen
Der Besuch der europäischen Delegation macht deutlich, dass sich der globale Wettbewerb um kritische Mineralien weiter verschärft. Während China über Jahrzehnte die Verarbeitung dominierte und die USA zuletzt verstärkt in brasilianische Projekte investierten, positioniert sich nun auch Europa als langfristiger Industriepartner.
Viridis Mining steht dabei derzeit beispielhaft für die neue europäische Strategie und zählt zu den ersten Unternehmen, die unmittelbar von diesem Interesse profitieren könnten. Gleichzeitig dürfte die Suche Europas nach weiteren strategischen Projekten gerade erst beginnen.
Für Investoren lohnt sich deshalb ein breiter Blick auf den brasilianischen Markt. Unternehmen, die nicht nur über hochwertige Lagerstätten verfügen, sondern gleichzeitig Verarbeitung, Technologiepartnerschaften und integrierte Lieferketten entwickeln, könnten im Zuge der europäischen Rohstoffoffensive zunehmend an Bedeutung gewinnen. Neben Viridis zählt dazu auch St George Mining, das sein Araxá-Projekt konsequent entlang genau jener Wertschöpfungskette entwickelt, die Brüssel künftig stärker fördern möchte. Zwar befinden sich beide Projekte noch auf dem Weg zur kommerziellen Produktion und müssen weitere technische sowie regulatorische Meilensteine erreichen. Doch der politische Rückenwind für Brasiliens kritische Mineralien war lange nicht mehr so stark wie heute.
Quellen
https://www.giga-hamburg.de/de/publikationen/giga-focus/europe-s-quest-for-critical-raw-materials-in-latin-america
https://www.pubaffairsbruxelles.eu/eu-institution-news/commissioner-sikela-visits-brazil-to-strengthen-cooperation-on-critical-raw-materials-transport-and-digital/
https://international-partnerships.ec.europa.eu/news-and-events/news/commissioner-sikela-concludes-global-gateway-investment-mission-brazil-2026-06-26_en
https://www.reuters.com/world/china/eu-courts-brazil-strategic-partner-global-race-critical-minerals-2026-06-22/
https://www.scmp.com/news/china/diplomacy/article/3358405/eu-pitches-brazil-more-beneficial-rare-earths-deal-us-or-china
https://www.ncbcapitalmarkets.com/research/latestnews/8237-eu-courts-brazil-as-strategic-partner-in-critical-minerals-race
https://www.miningreporters.com/noticia/news/2026/06/eu-brazil-critical-minerals-rare-earths-partnership
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St George Mining
Land: Australien
ISIN: AU000000SGQ8
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