DJ Anderson will bei Bayer seinen Kurs der Fokussierung fortsetzen
Von Olaf Ridder
DOW JONES--Der Bayer-Chef will an der Konzernstruktur mit drei separaten Geschäften weiterhin nicht rütteln. "Letztlich kommt es auf den Fokus an", sagte Bill Anderson in der virtuellen Pressekonferenz zu den Halbjahreszahlen. Bayer müsse sich weiter auf die gesteckten Prioritäten konzentrieren: Die Verbesserung der Pharma-Pipeline sowie der Profitabilität im Agrarbereich, die Eindämmung der Rechtsrisiken sowie den Abbau von Schulden und Bürokratie.
"Im Moment denken wir, dass der beste Plan darin besteht, weiterhin konsequent an diesen fünf Themen zu arbeiten, weil sie uns in jedem Szenario besser machen werden - egal, ob wir zusammenbleiben, etwas verkaufen oder etwas hinzufügen", sagte Anderson.
Die Umsetzung werde in jedem Fall eine deutlich stärkere Bilanz liefern, in jedem Geschäftsbereich zu besseren Leistungen führen und zu einer schnelleren, agileren Organisation. "Unsere Einschätzung heute ist, dass es noch nicht an der Zeit ist, davon abzuweichen."
Investoren hatten nach dem wichtigen Sieg im Glyphosat-Streit vor dem Obersten Gerichtshof der USA Ende Juni die künftige strategische Ausrichtung des Konzerns wieder in den Blick genommen. Vor drei Jahren zum Amtsantritt von Anderson hatten einige Anleger auf eine Aufspaltung von Bayer gedrungen. "Damals sah unsere Perspektive wirklich nicht so gut aus", räumte Anderson ein. Heute sei Bayer in einer viel besseren Position.
Zugleich schloss Anderson eine Aufspaltung aber auch nicht völlig aus. "Wir bleiben dabei offen und schauen uns die Möglichkeiten immer wieder an."
Beim Bürokratieabbau sieht Anderson deutliche Fortschritte durch das Programm "Dynamic Shared Ownership". Bayer sei heute wahrscheinlich eines der am wenigsten bürokratischen Großunternehmen, die man finden könne. "Das ist jetzt eine Position der Stärke, die wir nutzen können, und wir haben Rückenwind." Im abgelaufenen Quartal sind im Zuge des Programms, das vor allem auf den Abbau von Leitungspositionen und Hierarchien setzt, keine weiteren Stellen abgebaut worden. Anderson wollte allerdings nicht ausschließen, dass es noch zu weiterem Abbau kommen werde.
Im Bereich des Schuldenabbaus will Bayer nach dem 3 Milliarden Euro schweren Einstieg des US-Finanzinvestors Apollo bei einer Tochtergesellschaft nun schneller vorankommen: Die Nettofinanzverschuldung soll bis Jahresende auf 29 bis 30 Milliarden statt wie bisher 32 bis 33 Milliarden Euro sinken.
Was den Sammelvergleich mit den großen US-Klägerkanzleien im Glyphosat-Rechtsstreit angeht, so sagte Anderson, es werde erwogen, einige jener Kläger aufzunehmen, die zunächst davon ausgeschlossen waren. Dazu werde die Zeit bis zur abschließenden Anhörung vor dem zuständigen Gericht in St. Louis genutzt. Weitergehend wollte sich der Bayer-Chef aber nicht äußern.
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August 04, 2026 05:23 ET (09:23 GMT)
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