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Korrosion gehört zu den teuersten Problemen der globalen Industrie. Offshore-Plattformen, Pipelines, Chemieanlagen oder Hafeninfrastruktur sind permanent extremen Umweltbedingungen ausgesetzt. Salzwasser, Feuchtigkeit und chemische Belastungen greifen selbst hochwertige Stahlkonstruktionen kontinuierlich an. Genau deshalb gewinnt der Markt für moderne Schutzbeschichtungen derzeit zunehmend an strategischer Bedeutung.
Ein aktuelles Beispiel liefert der norwegische Beschichtungsspezialist Jotun A/S. Das Unternehmen ist nicht klassisch börsennotiert, zählt jedoch zu den größten privaten Beschichtungsherstellern weltweit und befindet sich mehrheitlich im Besitz der Gründerfamilie sowie von Orkla ASA (ISIN: NO0003733800), die rund 42,7% an Jotun hält.
Mit neuen datenbasierten Wartungs- und Korrosionsschutzprogrammen versucht Jotun aktuell, den Fokus der Industrie stärker auf langfristigen Schutz statt auf reine Reparaturzyklen zu verschieben. Genau dieser Trend könnte auch Technologien wie Graphen-basierte Beschichtungen zusätzlichen Rückenwind verleihen.
Jotun setzt auf planbaren Langzeitschutz
Im Mittelpunkt der aktuellen Entwicklung steht das sogenannte "AssetKeeper"-Programm von Jotun. Ziel ist es, Korrosion frühzeitig zu erkennen und Wartung planbarer zu machen. Statt Schäden erst nach Auftreten zu behandeln, sollen Stahlstrukturen kontinuierlich analysiert und Schutzmaßnahmen gezielter eingesetzt werden.
Gerade in Industrien wie Offshore-Energie, Öl & Gas oder Chemie können ungeplante Ausfälle erhebliche Kosten verursachen. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Lebensdauer und Sicherheit vieler Anlagen.
Jotun beschreibt den Korrosionsschutz deshalb zunehmend als strategischen Bestandteil des Anlagenmanagements. Das Unternehmen zählt heute zu den weltweit größten Herstellern von Schutzbeschichtungen und ist in mehr als 100 Ländern aktiv. 2025 erzielte Jotun Umsätze von rund 34,3 Milliarden norwegischen Kronen.
Die Entwicklung zeigt vor allem eines: Der Markt bewegt sich zunehmend weg von kurzfristiger Instandhaltung hin zu langlebigen Schutzsystemen.
Genau hier rückt Graphen in den Fokus
Parallel dazu wächst das Interesse an neuen Materialien, die bestehende Beschichtungen weiter verbessern könnten. Besonders Graphen gilt innerhalb der Branche als potenzieller technologischer Fortschritt.
Das Material besitzt außergewöhnliche Barriereeigenschaften und kann innerhalb von Beschichtungen die strukturelle Stabilität erhöhen. Gerade Mikrorisse gelten bei klassischen Schutzsystemen als zentrale Schwachstelle, weil über diese kleinen Schäden Feuchtigkeit und Sauerstoff eindringen können.
Graphen soll genau diesen Prozess verlangsamen. Das Material wirkt innerhalb der Beschichtung stabilisierend und erschwert gleichzeitig das Eindringen korrosiver Stoffe. In standardisierten Tests wurden bei entsprechenden Systemen bereits deutliche Verbesserungen der Korrosionsbeständigkeit festgestellt.
Vor allem Industrien mit hohen Wartungs- und Reparaturkosten beobachten diese Entwicklung zunehmend aufmerksam.
Sparc Technologies arbeitet an der Kommerzialisierung
Eines der Unternehmen, das sich in diesem Umfeld positioniert, ist Sparc Technologies (ISIN: AU0000115750). Mit EcoSPARC entwickelt das Unternehmen ein Graphen-basiertes Additiv für industrielle Schutzbeschichtungen.
Der Ansatz unterscheidet sich von vielen früheren Graphen-Projekten. Statt bestehende Systeme vollständig zu ersetzen, verfolgt Sparc einen integrationsorientierten Ansatz. EcoSPARC soll bestehende Beschichtungen verbessern, ohne Produktionsprozesse grundlegend zu verändern.
Gerade in konservativen Industrien wie Offshore, Energie oder Chemie gilt dieser Punkt als entscheidend. Betreiber bevorzugen häufig Technologien, die sich unkompliziert in bestehende Systeme einfügen lassen.
Nach mehreren Jahren Entwicklung bewegt sich Sparc inzwischen zunehmend in Richtung Kommerzialisierung.
Akzo Nobel und HydroGraph erweitern das industrielle Netzwerk
Besonders relevant ist dabei die Zusammenarbeit mit Akzo Nobel (ISIN: NL0013267909). Der Konzern plant die Markteinführung eines EcoSPARC-optimierten Produkts auf Basis der etablierten Schutzbeschichtung Interzone 954.
Dieses System wird seit Jahrzehnten in anspruchsvollen Industrieumgebungen eingesetzt, darunter Offshore-Anlagen, Öl- und Gasprojekte sowie Bergbauinfrastruktur. Die Integration von Graphen erfolgt damit nicht in einem experimentellen Spezialprodukt, sondern innerhalb einer bestehenden industriellen Plattform.
Parallel arbeitet Sparc mit HydroGraph Clean Power (ISIN: CA44888L1085) zusammen. HydroGraph liefert hochreines Graphen und übernimmt damit die Materialseite der Wertschöpfungskette.
Die Kooperationen zeigen, wie sich der Markt zunehmend professionalisiert. Materialproduktion, industrielle Anwendung und etablierte Beschichtungssysteme werden Schritt für Schritt miteinander verbunden.
Der Beschichtungsmarkt verändert sich
Die aktuelle Entwicklung rund um Jotun verdeutlicht, dass Korrosionsschutz in vielen Industrien strategischer gedacht wird als noch vor einigen Jahren. Längere Lebensdauer, planbare Wartung und geringere Ausfallzeiten gewinnen zunehmend an Bedeutung.
Genau dadurch entsteht Raum für neue Materialien und moderne Beschichtungstechnologien. Unternehmen wie Jotun treiben den Wandel aus Sicht der Industrie voran, während Technologiefirmen wie Sparc versuchen, neue Lösungen in bestehende Systeme zu integrieren.
Ob Graphen langfristig zum Industriestandard wird, bleibt offen. Die aktuellen Entwicklungen deuten jedoch darauf hin, dass sich der Markt für Schutzbeschichtungen zunehmend weiterentwickelt - und dass moderne Materialien dabei eine immer größere Rolle spielen könnten.
Quellen:
Meghna Partners with Jotun to Manage
Corrosion Maintenance - Coatings World
Orkla - Jotun
HydroGraph and Sparc Technologies Team Up to Commercialize
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