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Warum 44% weniger CO2 die Solarthermie zurück ins Rennen bringen könnten

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Auf deutschen und britischen Hausdächern ist Solarenergie längst ein vertrauter Anblick. Gemeint sind damit fast immer Photovoltaikmodule, die Sonnenlicht in Strom umwandeln. Eine ältere Solartechnologie steht dagegen deutlich seltener im Rampenlicht: Solarthermie erzeugt keinen Strom, sondern nutzt die Wärme der Sonne direkt für warmes Wasser und Heizungsunterstützung.

Das Prinzip ist effizient, besitzt aber einen materiellen Nachteil. Klassische Kollektoren bestehen häufig aus Kupfer und Aluminium. Beide Metalle übertragen Wärme gut, machen die Systeme jedoch schwer, korrosionsanfällig und vergleichsweise aufwendig in der Herstellung.

Graphenverstärkte Kunststoffe könnten diese Rechnung verändern. Eine vorläufige Ökobilanz für gemeinsam von Senergy Innovations und First Graphene entwickelte Solarkollektoren weist einen um bis zu 44% geringeren CO2-Fußabdruck gegenüber herkömmlichen Modellen aus. Aus einer langjährigen Entwicklungsarbeit ist inzwischen eine kommerzielle Produktfamilie geworden.

Warum warmes Wasser bei der Wärmewende häufig übersehen wird

Die Energiewende im Gebäude wird meist über Wärmepumpen, Dämmung und Photovoltaik diskutiert. Warmwasser läuft in dieser Debatte häufig nur mit, obwohl Haushalte, Hotels, Krankenhäuser, Molkereien und zahlreiche Industriebetriebe täglich erhebliche Mengen davon benötigen.

Photovoltaik kann einen Heizstab oder eine Wärmepumpe mit Strom versorgen. Solarthermie überspringt diesen Zwischenschritt und überträgt die Sonnenwärme direkt auf das zirkulierende Wasser. Der Anbieter SenerSol beziffert den Wirkungsgrad seiner Systeme bei der Warmwassererzeugung auf das Drei- bis Vierfache einer entsprechenden Photovoltaiklösung. Bei den jährlichen Energiekosten für warmes Wasser seien Einsparungen von bis zu 60% möglich.

Diese Werte stammen vom Anbieter und hängen von Standort, Gebäude, Verbrauch und Systemauslegung ab. Sie verdeutlichen dennoch, weshalb Solarthermie für Gebäude mit hohem und regelmäßigem Warmwasserbedarf attraktiv bleiben kann.

Warum NIBE Wärme nicht mehr als einzelnes Gerät betrachtet

NIBE Industrier (ISIN: SE0015988019) gehört zu den europäischen Schwergewichten für Wärmepumpen, Warmwasserspeicher, Lüftung und Solarlösungen. Der schwedische Konzern verkauft nicht nur einzelne Heizgeräte, sondern kombiniert verschiedene Energiequellen zu vollständigen Systemen für Wohn- und Gewerbeimmobilien.

Im ersten Quartal 2026 erzielte NIBE einen Umsatz von 9,65 Mrd. Schwedischen Kronen. Bereinigt um Wechselkurse wuchs das Geschäft um 7,1%, während sich die operative Marge von 8,1 auf 9,0% verbesserte. Die Zahlen zeigen, dass sich der europäische Markt nach den vorherigen Lager- und Nachfrageschwächen stabilisiert.

Solarthermie übernimmt in solchen Systemen keine Konkurrenzrolle zur Wärmepumpe. Sie kann den Warmwasserspeicher an sonnigen Tagen direkt beladen und dadurch den Strombedarf der Wärmepumpe senken. Entscheidend wird damit nicht mehr die Frage, welche einzelne Technik gewinnt. Gefragt sind Systeme, die verschiedene Wärmequellen möglichst effizient zusammenspielen lassen.

Warum Ariston weiter in nachhaltige Wärme investiert

Auch Ariston Group (ISIN: NL0015000N33) betrachtet Warmwasser, Heizung und Kühlung als zusammenhängenden Markt. Das Unternehmen erzielte 2025 einen Umsatz von rund 2,7 Mrd. Euro und bietet neben klassischen Warmwasserbereitern auch Wärmepumpen, Hybridsysteme und Solarthermie an.

Im Februar 2026 schloss Ariston eine auf fünf Jahre angelegte Forschungskooperation mit dem Politecnico di Milano. Die Partner wollen unter anderem an nachhaltiger Raum- und Wasserheizung, neuen Kältemitteln und digitalen Lösungen arbeiten.

Aristons Ansatz zeigt, wie hoch die Anforderungen an neue Heiztechnologien inzwischen sind. Ein System muss Energie sparen, zuverlässig funktionieren, möglichst einfach montiert werden und mit anderen Komponenten kommunizieren. Materialinnovationen sind dabei kein Nebenthema. Gewicht, Wärmeleitung, Korrosionsbeständigkeit und Fertigungskosten bestimmen mit, welche Lösungen sich im Massenmarkt behaupten.

Warum Graphen aus einem Kunststoff einen Wärmetauscher machen kann

Kunststoffe besitzen viele Eigenschaften, die für Solarkollektoren attraktiv sind. Sie sind leicht, korrodieren nicht und lassen sich in komplexe Formen pressen oder spritzgießen. Ihr größter Nachteil liegt in der schlechten Wärmeleitfähigkeit.

First Graphene (ISIN: AU000000FGR3) liefert mit PureGRAPH einen Zusatz, der diese Schwäche reduzieren soll. In der Polymermatrix bilden die Graphenplättchen Wege, über die Wärme schneller durch das Material wandern kann. Der Kunststoff behält seine Formbarkeit, erhält aber eine zusätzliche Funktion.

Gemeinsam mit Senergy entstand daraus ein polymerbasierter Solarkollektor. Laut den veröffentlichten Entwicklungsdaten wiegt das System mehr als 30% weniger als ein konventioneller metallischer Kollektor. Die vorläufige Ökobilanz ermittelte den um bis zu 44% niedrigeren CO2-Ausstoß. Gleichzeitig soll die Wärmeleistung mit klassischen Metalllösungen vergleichbar sein.

Die Entwicklung benötigte rund sechs Jahre. Denn Graphen in ein Polymer zu mischen, genügt nicht. Die Partikel müssen gleichmäßig verteilt sein, der Kunststoff muss UV-Strahlung und Temperaturwechsel aushalten und das gesamte System auch bei schwachem Sonnenlicht zuverlässig arbeiten.

Warum aus dem Versuch inzwischen 7 Produkte geworden sind

Senergy brachte 2025 sieben Produkte mit PureGRAPH-haltigen Materialien auf den Markt. Das Angebot reicht von aufgesetzten und dachintegrierten Solarkollektoren bis zu thermisch leitfähigen Lösungen für Fahrzeuge. Installationen existieren inzwischen unter anderem in Irland und an der Stony Brook University im US-Bundesstaat New York.

Das Unternehmen verfolgt das langfristige Ziel, seine Solartechnik auf 250.000 britischen Häusern einzusetzen. First-Graphene-CEO Michael Bell ordnete diese Aussicht jedoch bewusst vorsichtig ein: Das aktuelle Bestellvolumen für PureGRAPH sei noch überschaubar. Erst ein breiterer Absatz der fertigen Systeme würde den Graphenbedarf deutlich erhöhen.

Diese Einordnung ist wichtig. Der Übergang von sieben kommerziellen Produkten zu Hunderttausenden Installationen ist enorm. Senergy benötigt Vertriebspartner, Installationskapazitäten, wettbewerbsfähige Preise und dauerhaft überzeugende Felddaten.

Warum sich die Solarthermie neu beweisen muss

Solarthermie ist keine neue Erfindung. Neu ist der Versuch, ihre bekannten Vorteile mit leichteren, korrosionsbeständigen und industriell formbaren Materialien zu verbinden.

NIBE und Ariston zeigen, wie dicht der Markt für nachhaltige Heizsysteme bereits besetzt ist. Wärmepumpen, intelligente Speicher und hybride Lösungen werden kontinuierlich effizienter. Ein neuer Solarkollektor muss sich deshalb nicht gegen alte Öl- oder Gasheizungen allein behaupten, sondern gegen ein wachsendes Angebot moderner Wärmetechnik.

Die Zahl von 44% liefert dafür einen starken Ausgangspunkt. Entscheidend wird jedoch, ob die graphenverstärkten Polymersysteme ihren niedrigeren Materialfußabdruck, ihre Energieeffizienz und ihre Haltbarkeit über viele Installationen hinweg bestätigen.

Gelingt das, könnte Graphen einer Technologie neues Gewicht verleihen, die auf dem Dach ausgerechnet durch weniger Gewicht wieder an Bedeutung gewinnt.


Quellen:

https://firstgraphene.net/the-graphene-supercharge-pioneering-sustainable-heating-through-graphene-enhanced-thermal-polymers/
https://senersol.com/
https://www.nibegroup.com/de/investoren/pm-news-reports/2026-news-reports/2026-05-19-zwischenbericht-1-2026-q1
https://www.aristongroup.com/en/news/ariston-group-and-polimi-a-new-partnership-signed

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First Graphene Limited
Land: Australien
ISIN: AU000000FGR3
First Graphene - First Graphene

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