PARIS/LONDON/ZÜRICH (dpa-AFX) - Die europäischen Aktienmärkte haben am Donnerstag nachgegeben. Sie reagierten damit auf die anhaltend hohen Ölpreise und die unklare Lage im Iran-Konflikt. "Die ohnehin fragile diplomatische Annäherung zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran ist erneut ins Stocken geraten", so Marktanalyst Timo Emden von Emden Research "Anleger schwanken zwischen der Hoffnung auf einen kurzfristigen diplomatischen Durchbruch und der Sorge vor einer weiteren militärischen Eskalation." Der Markt sei daher hin- und hergerissen zwischen vorsichtigem Optimismus und wachsender Risikoaversion.
Der EuroStoxx 50, der Leitindex der Euroregion, sank am Mittag um 0,8 Prozent auf 5.859,56 Punkte. Außerhalb des Euroraums zog der Schweizer SMI dank der Gewinne defensiver Schwergewichte um 0,87 Prozent auf 13.181,11 Zähler an. Der britische FTSE 100 verlor dagegen 0,87 Prozent auf 10.385,24 Punkte.
Ein Warnsignal lieferte der Einkaufsmanagerindex für die Eurozone, der im April unter die Wachstumsschwelle von 50 gesunken ist. "Die wirtschaftlichen Folgen des Krieges gegen den Iran werden immer offensichtlicher", merkte Volkswirt Thomas Gitzel von der VP Bank dazu an. "Die hohen Energiepreise werden das Wachstum spürbar belasten."
Bei den Einzelwerten brachte ein Schwung an Quartalszahlen Bewegung in die Kurse. Zu den Gewinnern gehörten dabei die Nahrungs- und Getränkewerte sowie der Telekomsektor. Letzterer profitierte von dem Kurssprung der Aktie von Nokia, die um über zehn Prozent zulegte. Sie reagierte mit dem Anstieg auf die Zahlen zum ersten Quartal, die über den Erwartungen gelegen hatten. Analysten zeigten sich beeindruckt. Janardan Menon von Jefferies verwies auf die Bruttomarge, die deutlich besser als erwartet ausgefallen sei. Gut kam zudem das Zahlenwerk der französischen Orange an, die um 3,3 Prozent anzogen.
Bei den Lebensmittelherstellern setzten Nestle Akzente und gewannen 6,2 Prozent. Der weltgrößte Nahrungsmittel-Hersteller hatte mit seinen Wachstumszahlen zum ersten Quartal die Erwartungen klar übertroffen.
Im Konsumgütersegment gab es ein Ausrufezeichen von L'Oreal mit über 8 Prozent Plus. Der französische Kosmetikkonzern war im ersten Quartal stärker als erwartet gewachsen. Analystin Celine Pannuti von JPMorgan sprach von einem ermutigenden Zahlenwerk, mit dem der Kosmetikhersteller die Erwartungen übertroffen habe.
Im Pharmasektor waren Sanofi gefragt. Der Pharmakonzern war zum Jahresstart dank seines Kassenschlagers Dupixent, neuer Medikamente und Übernahmen überraschend kräftig gewachsen. Die Aktie kletterte um drei Prozent. Gesucht waren auch Roche mit über zwei Prozent Gewinn. Der Pharmakonzern hatte im ersten Quartal die Erwartungen des Marktes getroffen. "Alles in allem ein guter Start ins Jahr 2026", so die Analysten von Bernstein.
Enttäuscht fiel dagegen die Reaktion bei einem anderen französischen Standardwert aus. Aktien von EssilorLuxottica sanken nach Umsatzzahlen zum ersten Quartal um 4,4 Prozent./mf/stk
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