FRANKFURT/PARIS/LONDON/MAILAND (dpa-AFX) - Aktien aus der europäischen Rüstungsbranche haben am Montag Auftrieb von einem Übernahmevorhaben in Frankreich erhalten und so ihre Erholung fortgesetzt. Zudem gestalten sich die Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine über ein mögliches Friedensabkommen schwierig, und obendrein steht der Nato-Gipfel vor der Tür. In Ankara will die Nato nicht nur Stärke zeigen, sondern der Ukraine wohl auch über ein neues Versprechen milliardenschwere Militärhilfen zukommen lassen.
Unter den deutschen Werten gewannen Rheinmetall an der Dax-Spitze um rund zwei Prozent. Damit erholten sie sich weiter von ihrem Kurssturz im Juni, als das Verteidigungsministerium das milliardenteure Rüstungsprojekt für sechs Fregatten des Typs F126 wegen erheblicher Verzögerungen sowie absehbarer Kostensteigerungen überraschend beendet hatte. Nun unterzogen sie ihre 21-Tage-Linie einem neuerlichen Test.
Im MDax erholten sich Renk um gut 4 Prozent, TKMS um 3,5 Prozent und Hensoldt um 3 Prozent. TKMS schafften es über ihre 100-Tage-Linie, Hensoldt testeten ihre exponentielle 200-Tage-Linie.
Der Luft- und Raumfahrtkonzern Thales will sich unter Wasser sowie im Navigationsbereich stärken und daher den Unterwasserdrohen-Spezialisten Exail Technologies erwerben. Dafür unterzeichnete Thales eine verbindliche Vereinbarung über den Kauf des Gesamtanteils von 35,51 Prozent, der sich im Besitz der Familie Gorgé befindet, und zahlt 134 Euro je Exail-Aktie. Die verbleibenden Anteile an dem auf maritime Robotik spezialisierten Unternehmen sollen per Pflichtübernahmeangebot erworben werden.
In Paris zogen Thales um gut 2 Prozent an auf den höchsten Stand seit Ende April. Exail gewannen in der Spitze gut 4 Prozent auf 127,60 Euro und blieben damit unter dem Angebotspreis. Außerdem gewannen Safran in Mailand Leonardo und in London BAE Systems .
Die Übernahme komme Thales zwar teuer zu stehen, kommentierte Analystin Milene Kerner von Barclays. Strategisch sei sie aber sinnvoll. Denn mit Exail stärke der Konzern sein Rüstungsgeschäft, stärke das Wachstum und beantworte die Fragen der Anleger bezüglich der Barmittelverwendung. Ähnlich argumentiert Kollegin Chloe Lemarie vom Analysehaus Jefferies den Deal: Er sei zwar nicht günstig, aber positiv für Thales, schrieb sie.
Besonders positiv äußerte sich Alessandro Pozzi von der italienischen Mediobanca. Die Transaktion habe eine "starke strategische Begründung", denn sie stärke die Position von Thales in den Bereichen Unterwasserkriegsführung, maritime Robotik, unbemannte Minenabwehr und Trägheitsnavigationssysteme.
Zu den Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine schrieb Marktexperte Andreas Lipkow vom Broker CMC Markets: "Die von den USA angeleiteten Gespräche erweisen sich als schwerfällig und wurden nicht von dem erhofften Erfolg gekrönt. Es deutet sich vielmehr eine verbohrte Situation an, die sich nicht in kurzer Zeit lösen lassen wird." Am Vortag des Nato-Gipfels in der Türkei hatte Russland schwere Angriffe auf ukrainische Städte vorgenommen.
Daher richtet sich der Fokus der Investoren laut Lipkow wieder verstärkt auf Rüstungswerte. Zudem komme durch die Exail-Nachricht neue Fantasie in den Rüstungssektor, in dem sich zunehmend Konsolidierungsdruck bemerkbar mache./ck/ag/jha/
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